Drei Schlüssel zur erfolgreichen Zukunft von BIM bei Bauprojekten

Von Matt Alderton
- 1. Apr 2017 - 5 min-LEKTÜRE

Mit Fortschreiten der Technik ergeben sich zwangsläufig Verluste – aber auch Chancen.

Mit dem Aufkommen der drahtlosen Kommunikation benötigen die Menschen keine Elektrofachmärkte mehr, sondern vielmehr Cloud-Dienstleister wie Google und Amazon. Im Zeitalter der digitalen Medien mietet man Filme nicht mehr in der Videothek – man streamt sie bei Netflix. Und mit dem Aufstieg der sozialen Medien fotografiert man nicht mehr mit Polaroidkameras – man macht Aufnahmen mit Smartphones und teilt sie dann auf Instagram.

Menschen kommunizieren natürlich immer noch, schauen sich Filme an und machen Fotos. Aber die Mittel, die sie dazu verwenden, haben sich verändert. So auch in der Architektur, im Ingenieur- und im Bauwesen (AEC = Architecture, Engineering, Construction), berichtet Bill Allen, Partner und Direktor der Building Information Management (BIM) Services bei EvolveLAB, einem Unternehmen für Computerdesign und BIM-Beratung in Denver. Schritt für Schritt ersetze BIM CAD als bevorzugtes Werkzeug für die Planung und Entwicklung von AEC-Projekten.

future of bim
Bildgestaltung: Micke Tong

„BIM ist wirklich phänomenal, wenn man überlegt, wie es uns bei der Erreichung unserer Ziele voranbringt“, erklärt Allen. BIM, so sagt er, sei für den Bereich AEC ein entscheidender Schritt in Richtung einer spannenden technologischen Entwicklung: der generativen Gestaltung. Auf der Grundlage von Computerdesign oder parametrischer Konstruktion nutzen Softwarealgorithmen BIM, um Architekten bei der Gestaltung von Gebäuden zu unterstützen, die bestimmten Einschränkungen und Anforderungen – wie beispielsweise Tageslicht, Wärmeverhalten und strukturelle Integrität – unterliegen. „Algorithmen können heute in wenigen Tagen (Gebäude-) Daten verarbeiten und 17.000 verschiedene Gestaltungsoptionen auswerfen“, erklärt er.

Allen, der im letzten Jahr bei der „Autodesk University“ in Las Vegas über die Zukunft von BIM referierte, meint, dass „BIM 2.0“ – auch bekannt als generative Gestaltung – schon bald den Alltag in der Architektur beflügeln wird. Durch die Automatisierung der Konstruktionsoptimierung können Computer selbsttätig aus Tausenden von möglichen Gestaltungsvarianten die Konstruktionen auswählen, die den Anforderungen eines Projekts am besten entsprechen. „Computer werden Dinge um ein Vielfaches effizienter entwerfen können als Menschen.“

Eine vielversprechende Zukunft, in der Planung und Konstruktion für den Endverbraucher günstiger, sicherer, effizienter und reaktionsschneller sein werden. Es gibt nur ein Problem: Trotz der Vorteile von BIM halten manche Branchenprofis immer noch an altbewährten Arbeitsweisen fest. Wer diese Hürde überwinden und die neue Gebäudegeneration einläuten will, muss sich Allen zufolge auf drei grundlegende Faktoren des Fortschritts konzentrieren: Prozesse, Richtlinien und Menschen.

future of bim
Bildgestaltung: Micke Tong

1. Prozesse. Auch Profis, die die Vorteile von BIM verstehen, tun sich bei der Einführung schwer, also versuchen sie, die neue Technologie auf alte Prozesse anzuwenden. „Viele wollen aus Gewohnheit alte Prozesse nutzen“, meint Allen.

Das Ergebnis ist das Äquivalent eines quadratischen Zapfens in einem runden Loch. Zu den Vorteilen von BIM gehören zum Beispiel erhöhte Geschwindigkeit und Effizienz. Dennoch machen viele Planer den Fehler, Daten manuell einzugeben, was weder schnell noch effizient ist.

„Planer haben auf einem Monitor ihren Gebäuderaumplan in Excel und auf einem anderen [die Autodesk-Software] AutoCAD oder Revit und erstellen Daten manuell noch einmal, obwohl sie ein Exporttool wie Dynamo verwenden könnten, um automatisch Daten aus Excel für Revit zu konvertieren“, erklärt Allen. Ähnliche Datenabfälle würden über den gesamten Lebenszyklus eines Projekts hinweg produziert. „Meine Aufgabe ist es, die Menschen über neue Prozesse aufzuklären und ihnen bessere Arbeitsweisen aufzuzeigen.“

2. Richtlinien. Manchmal sind auch jenen, die BIM-freundliche Prozesse einführen möchten, durch Firmenrichtlinien die Hände gebunden.

Rechtsabteilungen sind Allen zufolge häufig ein Hindernis, da Verträge in vielen Fällen nicht mit der Technik Schritt halten. Er ist der Meinung, dass BIM am besten funktioniert, wenn alle an einem Projekt arbeitenden Parteien Informationen frei austauschen können. Ein derartiger Informationsaustausch wird jedoch häufig aus Gründen der Haftung und zur Vermeidung von Rechtsstreitigkeiten durch Verträge unterbunden: Würde etwas schief gehen, wenn ein Subunternehmer auf der Basis von Informationen vom Architekten handelt, könnten Subunternehmer oder Projektinhaber den Architekten verklagen. Deshalb müssen Lösungen Unternehmen einerseits schützen, dabei aber gleichzeitig die Zusammenarbeit fördern.

Als Zwischenlösung biete sich ein elektronisches Freigabeformular an. „Im Grunde besagt dies: ‚Also, ich werde Ihnen diese Informationen geben, aber Sie müssen unterschreiben, dass ich sie Ihnen einfach deshalb gebe, weil ich ein netter Kerl bin. Sie können sich nicht auf diese Informationen verlassen, ich gebe dafür keinerlei Garantie‘“, erläutert Allen.

future of bim
Bildgestaltung: Micke Tong

Unternehmen können sich zusätzlich schützen, indem sie Filter auf die ausgetauschten Informationen anwenden – Baupläne können grün, gelb oder rot gekennzeichnet werden, je nachdem ob Informationen endgültig, vorläufig oder unvollständig sind. Durch die wechselseitige Zusammenarbeit können alle beteiligten Parteien sich zu Beginn eines Projekts auf Definitionen, Prozesse, Richtlinien und Parameter einigen. Dadurch wird das Risiko reduziert und die dem BIM zugrunde liegenden Arbeitsabläufe gestrafft.

3. Menschen. Der dritte und letzte Teil im BIM-Puzzle ist das Team hinter den Prozessen und Richtlinien. „Meiner Meinung nach stellt der menschliche Aspekt die größte Herausforderung dar. Sie können noch so viele Best Practices, Richtlinien, White Papers, Anleitungen und Dokumente haben, aber wenn Ihr Team nicht mitzieht, ist es schwer, in einem Unternehmen Veränderungen umzusetzen“, sagt Allen.

Obwohl BIM der besseren Nutzung von Technologie dient, beginnt der kulturelle Wandel offline. Allen betont, wie wichtig der Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen sei und dass diese bei der Einführung technologischer Veränderungen der entscheidende Faktor sein könnten.

„Wenn wir lernen könnten, unsere Egos abzulegen und als Team miteinander, statt gegeneinander zu arbeiten, wäre das sehr hilfreich“, sagt er. Einfache soziale Interaktionen – wie Gespräche über Familie oder Fußball – seien ein guter Ausgangspunkt: „Wenn man Menschen auf der emotionalen Ebene begegnet, ist die Motivation zur Zusammenarbeit viel größer.“

Darüber hinaus sei es essenziell, nicht nur mit den beteiligten Personen bessere Beziehungen zu pflegen, sondern auch mit der Technik, und diese nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu sehen.

future of bim
Bildgestaltung: Micke Tong

„Man muss anpassungsfähig sein und sich mit der Technik weiterentwickeln, um langfristig zu überleben“, sagt Allen, der generative Gestaltung mit autonomen Fahrzeugen vergleicht. In einer Welt mit fahrerlosen Autos benötigten Unternehmen keine Lkw-Fahrer mehr, sondern Experten im Lkw-Fahren zur Verwaltung und Beaufsichtigung ihrer autonomen Flotten. „Neue Technologien werden neue Arbeitsplätze und neue Spezialisierungen schaffen. Planer werden gleichzeitig Computerdesigner sein. Und anstelle von Planern, die statische Modelle gestalten, werden Firmen Experten für generative Gestaltung beschäftigen.“

Sofern man sich den neuen Technologien stellt und die entsprechenden Kenntnisse aneignet. Wer dies nicht tut, läuft Gefahr, abgehängt zu werden.

„Es geht nicht nur um einen Job. Es geht darum, dass man dazulernt, sich ständig neu erfindet und innovativ ist“, sagt Allen. In einer „Post-BIM-Welt“ werden seiner Meinung nach diejenigen vorankommen, die kontinuierlich in Bildung, Ausbildung und Entwicklung investieren. „So frustrierend es zuweilen ist: Disruption ist Realität.“

Ähnliche Artikel