Team4Tech verbessert die Welt mithilfe von Design Thinking und modernen Technologien

Von Dana Goldberg
- 2. Aug 2016 - 5 min-LEKTÜRE
Mit freundlicher Genehmigung von Team4Tech

Wer sich nicht mit Design beschäftigt, kann mit Design Thinking möglicherweise nicht viel anfangen. Ein Designer, Ingenieur oder Architekt denkt jedoch sofort an einen nutzerorientierten, kreativen Prozess zur Entwicklung innovativer Produkte. Lesen Sie hier mehr darüber, wie dieses Konzept in der Entwicklungshilfe eingesetzt wird.

Das Start-up-Unternehmen Team4Tech möchte die Welt verbessern, indem es Freiwillige in Entwicklungsländer und schlecht ausgestattete Gebiete der Erde entsendet. Vor Ort besteht die Mission der Freiwilligen dann darin, Wissen über den Umgang mit Computern und neuen Technologien zu vermitteln. Team4Tech stellt bei all seinen innovativen partizipativen Projekten sicher, dass sie auf den Prinzipien des Design Thinking beruhen und sorgt damit für eine weitere Etablierung des Konzepts.

technology_in_developing_countries_vietnam_students_team4tech
Team4Tech-Schüler in Vietnam. Mit freundlicher Genehmigung von Team4Tech.

Verantwortlich dafür, den Design Thinking‑Aspekt in jedes Projekt zu integrieren, ist Maria Posa, Programm-Managerin bei Team4Tech. „Design Thinking ist ein Ansatz oder eine Herangehensweise zur Lösung von Problemen. Dabei wird ein Nutzer gezielt beobachtet und ein bestimmtes Problem dieses Nutzers identifiziert. Anschließend werden dann Lösungsmöglichkeiten iterativ getestet, bis man eine Lösung gefunden hat, die begeistert“, fasst sie das Konzept von Design Thinking kurz zusammen.

Und auch wenn die meisten von uns das Wort Design vor allem damit verbinden, geht es beim Design Thinking nicht nur um eine ansprechende Optik, sondern vielmehr darum, das Problem des Nutzers zu lösen und eine Bedarfslücke zu schließen. Ein gutes Beispiel für die Möglichkeiten des Design Thinking im Bereich internationale Entwicklungshilfe ist der Wärmeschlafsack Embrace Warmer für Frühchen. Dieser preiswerte, tragbare Schlafsack kann in Entwicklungsländern anstelle eines Brutkastens zum Einsatz kommen.

Unternehmen wie die internationale Design- und Innovationsberatung IDEO und Frog Design, ein Unternehmen für Produktdesign, digitale Medien, Software, Branding und Geschäftsstrategie, entwickeln mithilfe von Design Thinking neue Produkte. Bei Team4Tech dient Design Thinking jedoch hauptsächlich dazu, die „vier Ks“, d. h. Kreativität, Kollaboration, Kommunikation und kritisches Denken, der Freiwilligen zu fördern.

technology_in_developing_countries_team4tech
Schüler im Township Kayamandi

„Wenn Menschen den Design Thinking‑Prozess durchlaufen, können sie diese Fähigkeiten weiterentwickeln“, erklärt Posa. „Bezogen auf unsere Freiwilligen kann man sagen, dass Design Thinking lösungsorientiertes Handeln und Kreativität fördert, und zwar vor allem in äußerst angespannten Situationen. Diese Fähigkeiten sind besonders nützlich, wenn sie beispielsweise in einem Klassenzimmer in Tansania einen Beamer aufstellen müssen und dafür nur Klebeband, Pappe und einige Kabelbinder zur Verfügung haben.“

Im letzten Sommer waren sieben Autodesk-Freiwillige zusammen mit Team4Tech zwei Wochen lang im Township Kayamandi nahe der südafrikanischen Stadt Stellenbosch unterwegs. Gemeinsam schulten sie Lehrer und Schulleiter in den Themen Digitalkompetenz und Unterrichtsmethoden des 21. Jahrhunderts. Neben Spenden in Form von 3D-Druckern und 35 Laptops, ausgestattet mit Tinkercad und anderen Autodesk-Programmen, hatten die Freiwilligen auch jede Menge Motivation im Gepäck, um die Pädagogen vor Ort dazu zu animieren, im Unterricht nicht nur auf Kreide und Tafel zu setzen, um ihre Schüler zu begeistern.

Vor ihrer Abreise nach Südafrika nahmen die Freiwilligen zur Vorbereitung an einem Design Thinking-Workshop von Team4Tech teil. Dort durchliefen sie den gesamten Prozess, beginnend mit der Identifikation eines Bedürfnisses, über die Entwicklung von Prototypen bis hin zum iterativen Testen von Lösungsmöglichkeiten. „Jeder Workshop ist genau auf das jeweilige Projekt zugeschnitten und konzentriert sich auf die Fähigkeiten, die die Freiwilligen vor Ort brauchen werden und die sie den Lehrern, die sie dort schulen, näher bringen sollen,“ erläutert Posa.

Da bei den Team4Tech-Projekten mit Design-Thinking gearbeitet wird, erreicht das ganze Vorhaben eine neue Dimension. Der Programmdirektor Noel Durrant konnte sich in Südafrika selbst davon überzeugen. „Das [Autodesk] Team ist an die Design-Arbeit und den Design-Zyklus gewöhnt und konzentrierte sich gleich darauf, was am nächsten Tag verbessert werden könnte“, berichtet Durrant. „Jeden Tag, jeden Abend durchliefen wir den Design‑Zyklus.“

technology_in_developing_countries_south_africa_students
Schüler im Township Kayamandi

„Als sich das Projekt dem Ende näherte, verfügten wir über eine äußerst durchdachte, auf das Zielpublikum zugeschnittene Schulung“, so Durrant. „Dieses Feedback erhielten wir zumindest von den teilnehmenden Lehrern. Sie berichteten, noch nie etwas Vergleichbares erlebt zu haben.“

Ein weiteres Beispiel für den erfolgreichen Einsatz von Design Thinking bei einem Team4Tech-Projekt stammt aus Vietnam. In diesem asiatischen Land ist das Fahrrad ein bedeutendes Transportmittel und deshalb hatten sich einige Freiwillige dazu entschlossen, einen besseren Fahrradsattel entwerfen zu wollen. Das Projekt wurde jedoch in einem Waisenhaus durchgeführt, in dem keines der Kinder ein Fahrrad besaß.

technology_in_developing_countries_teachers
Lehrerinnen im Township Kayamandi während ihrer Schulung durch Team4Tech und Autodesk

Also änderten die Freiwilligen ihren Plan. Zu dieser Zeit war es gerade sehr windig, an jeder Ecke gab es ausgeklügelte Drachen zu kaufen und schon hatten die Freiwilligen die perfekte Möglichkeit gefunden, um Design Thinking in die Tat umzusetzen: Anstelle von Fahrradsätteln entwickelten sie nun Drachen.

Laut Posa kann man daraus lernen, dass Design Thinking ein sehr flexibles Konzept ist, das überall angewandt werden kann. „Relevanz ist natürlich wichtig“, betont sie. „Warum sollte man etwas entwerfen, das die Menschen gar nicht brauchen? Mit ein bisschen Kreativität und Freude am Problemlösen lässt sich sehr viel bewirken.“

Es ist offensichtlich, wie die Entwicklungsländer und die Menschen dort vom Design Thinking und dem Einsatz der Freiwilligen von Team4Tech profitieren. Aber welchen Nutzen haben eigentlich die Freiwilligen selbst von diesen Projekten? Selbstverständlich bringen sie bei ihrer Rückkehr mehr mit als inspirierende Geschichten.

„Dieses Programm eignet sich tatsächlich dazu Führungsqualitäten von Mitarbeitern aus technischen Abteilungen auszubauen“, erklärt Posa. „Unsere Freiwilligen trainieren nicht nur die vier Ks, sondern erweitern ihren Horizont insgesamt. Bei uns sind sie gezwungen, ihre Komfortzone zu verlassen und sich voll und ganz auf die bevorstehende Aufgabe zu konzentrieren. Dabei müssen sie in einer fremden Umgebung eng im Team zusammenarbeiten und äußerst komplexe Probleme lösen.“

technology_in_developing_countries_students_south_africa
Schüler im Township Kayamandi

Natürlich ist es nicht immer angenehm, vertraute Rollenbilder, Erwartungen und Hierarchien hinter sich zu lassen. Aber wer hat auch behauptet, dass es einfach wäre, die Welt zu verändern?! Wenn sie wieder zu Hause sind, kehren die Team4Tech-Freiwilligen dann mit dieser frischen Einstellung und neu erworbenen Design Thinking-Fähigkeiten zurück an ihren Arbeitsplatz.

Genauso wichtig sind aber die langfristigen positiven Spuren, die die Arbeit der Freiwilligen vor Ort hinterlässt. „Dieses war ein sehr besonderes Projekt“, meint Hannes van Zyl vom Greater Stellenbosch Development Trust in Kayamandi. „Das [Autodesk] Team kam zu uns, investierte viel Zeit und arbeitete sehr professionell. In Bezug auf Arbeitseinsatz, Innovation und Teamwork haben sie uns wirklich inspiriert. Alle Beteiligten, ob Lehrer oder Kinder, fragen sich nun, wie es weitergehen soll und es liegt auf der Hand, dass wir einen Computerclub für Kinder ins Leben rufen werden.“

Ähnliche Artikel

Erfolgreich!

Sie sind angemeldet

Für alle, die mehr über die Gestaltung der Zukunft wissen wollen.

Unseren Newsletter abonnieren