In den branchenführenden Bots der Firma Robo Challenge vermählen sich Kunst und Ingenieurtechnik

Von Drew Turney
- 26. Mär 2017 - 5 min-LEKTÜRE
Die Attackniden, eine Spinnenroboter-Armee von Robo Challenge. Mit freundlicher Genehmigung von Robo Challenge.

Viele Kinder spielen mit Robotern, und ganz eindeutig bringen Roboter auch in vielen Erwachsenen das innere Kind zum Vorschein. Wie sonst lässt sich der Erfolg der „Transformers“-Filmreihe, die Faszination für den Mars-Rover oder die Beliebtheit von Fernsehserien wie „Battlebots“ in den USA und „Robot Wars“ in Deutschland und Großbritannien erklären?

Was die Faszination Roboter noch steigert, ist die bedauerliche Tatsache, dass nur wenige Glückliche ihren Lebensunterhalt mit dem Bau von Robotern verdienen können. Aber für das Unternehmen Robo Challenge im englischen Birmingham ist es eine echte Familienangelegenheit: Gemeinsam mit ihrem Vater und richtig viel Herzblut bauen die Brüder James und Grant Cooper die verschiedenartigsten Roboter.

robo challenge Grant Cooper with robot wars creation
Grant Cooper mit einer der „Robot Wars“-Schöpfungen von Robo Challenge. Mit freundlicher Genehmigung von Robo Challenge.

Die meisten Automatisierungsfachleute spezialisieren sich auf Fachbereiche wie Weltraumforschung, Medizin oder Fertigung, in denen einzig Funktion gefragt ist. Als Technikberatung für die Werbe- und Unterhaltungsbranche ist Robo Challenge allerdings einzigartig aufgestellt.

Was bedeutet das? Robo Challenge gestaltet die coolsten Roboterprojekte der Welt. Die Coopers erschaffen Bots, die in einer Fernsehsendung gegeneinander kämpfen. Für den Launch eines neuen Samsung Smartphone Service bauten sie einen Rover, dessen Kamera von Anwendern gesteuert werden kann. Und für eine Riesen-Promowelle des Spielwarenherstellers Wow! Stuff gestaltete Robo Challenge eine ganze Armee knapp 160 cm hoher Spinnenroboter, quasi Maxiversionen der ferngesteuerten Attacknid-Spielzeuge des Herstellers.

Diese und andere Kunden – von der BBC über den Süßwarenhersteller Cadbury, Converse, Microsoft, Samsung und die Macher der Fernsehserie „Stan Lee‘s Superhumans“ bis hin zum Königshaus von Abu Dhabi – haben herausgefunden, dass Robo Challenge beinahe alles möglich machen kann.

Trotz der Lobeshymnen bleibt Mitbegründer James Cooper bescheiden, als  Redshift ihm bescheinigt, viel mehr als nur ein Ingenieur zu sein: Die Coopers sind auch Künstler, denn neben Funktionalität wollen sie ihren Kreationen immer auch ein extrem cooles Aussehen verpassen. „Es gibt bessere Ingenieure als uns“, so Cooper. „Wir sind eher Kreative mit technischem Fachwissen. Anders geht es in unserem Arbeitsbereich auch gar nicht.“

Ingenieurtechnik im herkömmlichen Sinn erfordert seiner Meinung nach einen ganz bestimmten Denkprozess. Aber wenn Kunden mit konkreten Vorstellungen bei Robo Challenge anfragen: „Dies und das würden wir furchtbar gern machen, geht das eigentlich?“, meint Cooper amüsiert, die Standardantwort darauf sei immer „Ja“. Dann läuft das Prozedere an, das gegebene Versprechen umzusetzen, und wie er auch den Kunden von Robo Challenge sagt: „Mit genug Zeit und Kapital ist alles möglich.“ Microsoft hat sich davon überzeugen können: Die Coopers stellten sich der einmaligen Herausforderung, eine physisch exakte Kopie des Robo-Hundes Mack aus dem Xbox Game „ReCore“ zu bauen, und setzten dabei auf ihre ganze Kreativität, ihre technischen Fachkenntnisse und Fusion 360 von Autodesk.

 

Erwachsenwerden mit Robotern

Seine heutige Form nahm das Unternehmen an, als sich das Fernsehen an Robo Challenge wandte. „Als wir bei Wettkämpfen antraten und in Schulen pädagogische Workshops zu Wissenschaft und Technik veranstalteten, machte uns das ziemlich bekannt. Und nachdem die Macher von Fernsehformaten unsere Arbeiten gesehen hatten, meldeten sie sich bei uns“, berichtet James Cooper. Die Brüder und ihre Freunde waren damals bereits tief in die Welt ferngesteuerter Autos eingetaucht und bauten ihre eigenen Mods – dank der Firma ihres Vaters in Birmingham, die Gusskomponenten und Räder herstellt.

Schon als Jugendliche begeisterten sich Cooper und sein Bruder für die Fernsehserie „Robot Wars“ (für die sie später Roboter bauten), und mit  regelmäßigen Aufträgen für weitere britische Fernsehshows konnte Robo Challenge sich auch international einen Namen machen.

Produktionsfirmen, PR-Agenturen, Spiele- und Konsumgüterhersteller und sogar Versorgungsunternehmen beauftragten sie mit Projekten unterschiedlichster Arten und Größenordnungen. Laut Cooper fängt der Spaß erst richtig an, nachdem die anfängliche Frage nach der Grundkonstruktion geklärt ist und man die Möglichkeiten des jeweiligen Projekts ausloten kann.

robo challenge James Cooper with Robot Wars' Dead Metal
James Cooper mit Dead Metal aus „Robot Wars“. Mit freundlicher Genehmigung von Robo Challenge.

Heute ist ihr Unternehmen Robo-Lab und Kunststudio zugleich, der Firmenname Robo Challenge passt also perfekt. „Wir stellen nicht einfach Requisiten her, denn jedes Model hat einen funktionalen Aspekt“, so Cooper. Im Gegensatz zu den meisten anderen Roboterentwicklern müsse sein Team Funktion und Ästhetik in jeden einzelnen Konstruktionsschritt integrieren.

Robo Challenge verfügt über einen einzigartigen Vorteil: Dafür ist die Beziehung zu den Kunden wesentlich, da die Projekte selbst die Hauptrolle spielen, wenn es um Inspiration für die verrücktesten und besten Ideen geht. Cooper bezeichnet dies als eine Art Evolutionsprozess, bei dem das gemeinschaftliche Entwickeln beinahe nebenbei abläuft.

Die neue Zukunft 

Wie viele andere Fertigungsunternehmen und Designbüros hat auch Robo Challenge die Veränderung von Arbeitsabläufen durch neue Technologien miterlebt – besonders durch den 3D-Druck, CNC-Technik und 3D-Design. James Cooper erinnert sich an die Zeit, in der alles mit Bügelsägen und von Hand zurechtgezimmert wurde. Die Optimierung der jeweiligen Entwürfe war extrem zeitaufwendig (was den Produktionsprozess noch verlängerte).

robo challenge wave runner
Diesen Wave Runner baute Robo Challenge für die BBC-Kindersendung Blue Peter, die sich damit an der Spendenaktion Sport Relief 2016 beteiligte. Mit freundlicher Genehmigung von Robo Challenge.

„Wir halten den Rekord für das Fahrrad mit Düsenantrieb, dessen Gestaltung und Bau uns damals einen guten Monat kostete“, erzählt er. „Heute würden wir den Entwurf, Simulationen und die Entwicklung innerhalb weniger Tage schaffen, dann könnten wir bereits mit dem Bau der Komponenten beginnen.“

Er fügt hinzu, dass digitale Tools den Prozess nicht nur beschleunigt und effizienter gemacht haben, sondern auch ein besseres Endprodukt hervorbringen. Die Ingenieure von Robo Challenge können mehr Zeit darauf verwenden, das ideale Design auszutüfteln, statt Zeit in der Produktion zu verbringen, damit das Produkt letztendlich „annähernd“ ihren Vorstellungen entspricht.

Aber unabhängig von den Technologien, der Technik und den Werkzeugen, die bei Robo Challenge zum Einsatz kommt – ihre Leidenschaft für Roboter ist den Cooper-Brüdern nie abhandengekommen. Weit davon entfernt, ein Anbieter für geplante und gefertigte Lösungen zu sein, stellt Robo Challenge nicht einfach nur Roboter her – darüber hinaus ist das Unternehmen auch in den weiteren „Lebensweg“ seiner Geschöpfe involviert.

„Es wäre allein schon super gewesen, nur die Roboter für „Robot Wars“ bauen zu dürfen“, erklärt Cooper. „Aber wenn wir sie nicht auch noch selbst gesteuert hätten und beim Dreh und allem anderen dabei gewesen wären, wär es nur halb so cool gewesen. Es geht darum, die Leidenschaft mit anderen zu teilen.“

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