VON BILL DANON

Es ist längst kein Geheimnis mehr: Selbstfahrende Autos sind fester Bestandteil des zukünftigen Transportwesens. Womöglich wird es gar nicht mehr lange dauern, bis wir solche autonomen Fahrzeuge an den Carsharing-Zentralen unserer Wohnorte mieten können. Welche anderen Technologien werden unsere zukünftigen Reisen noch verändern?

Die in diesem Artikel beschriebene Reise basiert nicht nur auf Expertenprognosen zu autonomen Fahrzeugen, Überschallflugzeugen, Robotertechnik, künstlicher Intelligenz und weiteren Innovationen, sondern auch auf der ganz realen, aktuellen Technologieentwicklung. Ebenfalls mit an Bord: eine vernünftige Dosis spekulativer Extrapolation zu den Fortschritten der Reisetechnologie in den kommenden 30 Jahren.

In diesem Artikel nehmen wir Sie mit auf eine Zeitreise und fliegen im Jahr 2050 von München nach Hongkong. Schnallen Sie sich an und werfen Sie einen Blick auf die Möglichkeiten der Zukunft:

Die Koffer sind gepackt

Die Koffer stehen fertig gepackt in Ihrer Münchner Wohnung und Sie rufen sich ein Taxi für die Fahrt zum Flughafen. Zwei Minuten später steht ein selbstfahrendes Auto vor Ihrer Tür, das den heutigen Fords, BMWs oder Teslas so gar nicht ähnelt. Im Wageninneren befinden sich nur zwei bequeme Drehsessel – Komponenten wie Lenkrad, Gas, Bremse oder Armaturenbrett sind nicht zu sehen. Die Scheiben Ihres Fahrzeugs fungieren gleichzeitig als transparente Displays, auf denen Sie sich Stadtpläne oder Landkarten, Wetterinfos, Daten zur Fahrbahnbeschaffenheit, aktuelle Nachrichten und Unterhaltungsprogramme anzeigen lassen können.

Ohne Chauffeur unterwegs

Während der flüsterleisen Fahrt wird die Batterie Ihres Autos von Magnetspulen in der Fahrbahn geladen. Gemeinsam mit anderen selbstfahrenden Autos bildet Ihr Taxi eine Fahrzeugkolonne, die auf der Ausfallstraße Richtung Flughafen rasch dahingleitet. Diese Fahrweise verringert Staugefahr und Luftwiderstand. Es gibt weder Geschwindigkeitsbegrenzungen noch Kontrollen durch die Verkehrspolizei. Das Taxi fährt konstante 80 km/h, und trotzdem erreichen Sie den Münchner Flughafen in der Hälfte der Zeit, die Sie 2017 für die Strecke benötigt hätten. Das liegt unter anderem daran, dass nur noch wenige Ampeln die Fahrt unterbrechen: Die meisten Straßenkreuzungen wurden mittlerweile zu Kreisverkehren umgestaltet, die für den fließenden Verkehr von Autos und Zweirädern sorgen. Fußgänger überqueren die Straßen eine Etage höher auf Überführungen.

Am Flughafen

Seit der Flughafen für viele Milliarden Euro modernisiert wurde, ist er ein Aushängeschild für die perfekte Kombination aus digitalen und physikalischen Flugverkehrstechnologien. Bei Ihrer Ankunft begrüßt Sie ein Robo-Koffertrolley, der Ihnen Ihr Gepäck abnimmt. Er übergibt es an ein KI-System, das die Aufgabegepäckstücke der Reisenden dem jeweiligen Flugzeug zuordnet und zuführt.

Dafür erfasst das System einfach die Wafer, die Sie daheim per 3D-Druck hergestellt und in Ihre Koffer gelegt haben. Dank einer App auf Ihrem Mobilgerät können Sie sich den aktuellen Standort Ihrer Koffer jederzeit auf einer hochauflösenden 3D-Karte anzeigen lassen – auf dem Flughafengelände und im Flugzeug.

2050 dauert es mit dem 8G-Netz nur wenige Millisekunden, bis diese überaus detaillierten, mehrere Terabyte großen 3D-Modelle geladen sind. Die Sicherheitskontrolle passieren Sie dank CT-Scans und Gesichtserkennung rasch (und ohne Ihre Schuhe ausziehen zu müssen).

Auf maximaler Flughöhe

Ihr Flieger ist ein ultramodernes Überschall-Passagierflugzeug, das mit Brennstoffzellen und Solarenergie betrieben wird. Bei seiner Entstehung spielte die generative Gestaltung mit einem Nachfolger der Dreamcatcher-Software von Autodesk eine tragende Rolle, die 2017 erstmals auf den Markt gebracht wurde. Der Flugzeugrumpf besteht aus einem Verbundstoff, der superleichte Karbonfaser mit einem transparenten Werkstoff kombiniert.

In die Fensterscheiben integrierte Displays zeigen auf Wunsch Daten aller verfügbaren Sensoren. Natürlich sitzt im Cockpit kein Pilot, aber da schon 2010 90 % aller kommerziellen Flüge per Autopilot gesteuert wurden, ist das keine besondere Neuheit. Tatsächlich ist überhaupt kein Pilot an Bord – der Flug wird von einem weltraumgestützten Flugverkehrskontrollsystem durchgeführt. Aber natürlich können Sie ganz unbesorgt sein: Für den Fall der Fälle sind Piloten in Bodenkontrollzentren im Einsatz, die per Fernsteuerung eingreifen können.

Eben gelandet und schon im Café

Nach Ihrer Ankunft können Sie sich das Warten am Gepäckband sparen. Sie gehen durch die Passkontrolle, die durch die eingesetzte Gesichtserkennung wieder schnell und reibungslos abläuft. Und auch hier gleicht ein Robo-Trolley die Silizium-Wafer in Ihren Koffern mit Ihrem Mobilgerät ab. Er bringt Ihnen Ihr Gepäck, während Sie schon einen Espresso genießen. Kurz denken Sie über Dim Sum zum Frühstück nach – immerhin gibt’s im Terminal ein im Guide Michelin gelistetes Restaurant – aber leider bleibt vor der Besprechung in Guangzhou keine Zeit mehr.

Schneller als eine Pistolenkugel

Vor dreißig Jahren wären Sie nun in einen der damals üblichen Züge gestiegen oder hätten die Fähre genommen, um auf das chinesische Festland nach Guangzhou weiterzureisen. Mit dem Zug hätte die 180 km lange Reise etwa zwei Stunden gedauert. Sie besteigen aber keinen gewöhnlichen Zug, sondern nehmen den Hyperloop, der damals im Sommer 2013 von Elon Musk vorgestellt wurde. Die Kapsel trägt Sie blitzschnell durch ein Vakuum bis ans Ziel, was die Reise nach Guangzhou bei einer Geschwindigkeit von 1.200 km/h auf nur neun Minuten verkürzt.

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Beinahe am Ziel

Sie haben das Hyperloop-Terminal verlassen und möchten sich vor der Besprechung im zwei Kilometer entfernten Hotel kurz frisch machen. Glücklicherweise gab es in den letzten 30 Jahren jede Menge Innovationen auf dem Gebiet elektrisch betriebener Kleinstfahrzeuge, mit denen Sie sich durch den dichten Stadtverkehr schlängeln können. Jetzt nur noch am Verleihterminal bequem per Mobilgerät zahlen und die Identität per Retina-Scan feststellen lassen, und schon sind Sie auf dem gemieteten E-Floater unterwegs zum Hotel.

Endlich im Hotel (und eine Drohne erspart Umwege)

Bis jetzt lief alles so reibungslos wie am Fließband. Nur auf dem Weg zum Hotel wird Ihnen klar, dass Sie leider Ihr Bordgepäck mit wichtigen Unterlagen für die anstehende Besprechung am Flughafen vergessen haben. Bloß gut, dass Sie sich eine Drohne bestellen können, die Ihre Tasche am Flughafen abholt und sie direkt zum Hotel bringt. Als Sie sich nach einer schnellen Dusche auf den Weg zu Ihrer Besprechung machen, liegt die vergessene Tasche schon in der Lobby für Sie bereit.

Was für eine angenehme Erfahrung! Sie sind bequem und stilvoll um die halbe Welt gereist. Und zwar mit einem Bruchteil der Kohlendioxidemissionen, die noch vor 30 Jahren durch eine solche Reise verursacht wurden. Aber eins war Ihnen dabei möglicherweise nicht bewusst: An den Grundlagen für die Umsetzung all dieser futuristischen Technologien und der dafür erforderlichen Software wird schon heute gearbeitet.

Konstrukteure und Ingenieure können bei der Entwicklung von selbstfahrenden Autos, superleichten Flugzeugen, Gepäckrobotern und Hyperloop-Infrastrukturen bereits im Jahr 2017 auf die generatives Design setzen. Teilweise produzieren sie auch schon Schaltkreise im 3D-Druck oder selbstlernende Systeme für das Internet der Dinge. Die Basis für die Verwirklichung unserer fantastischen Zukunftsvision – es sind die Entwicklungen von heute.

Erfolgreich!

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