Neue Wege zu besserem, schnellerem und günstigerem Projektmanagement im Bauingenieurwesen mit BIM

Von Angus W. Stocking, L.S.
- 19. Aug 2015 - 5 min-LEKTÜRE

Architekten und Bauingenieure haben keine andere Wahl – sie müssen miteinander auskommen. Schließlich müssen sie bei der Realisierung großer Projekte zusammenarbeiten, das liegt in der Natur der Sache. Aber manchmal sorgen unterschiedliche Visionen und Ziele, Arbeitsweisen, Normen und Maßeinheiten für Reibung, die das Projektmanagement im Bauingenieurwesen erheblich erschweren kann. Und das kann wiederum zu verpassten Lieferterminen und Budgetüberschreitungen führen.

Zum Glück wird die Zusammenarbeit zwischen diesen beiden wichtigen Planungs- und Bauexperten dank des Potenzials und der Anregungen von BIM (Building Information Modeling) immer besser – so John Rodriguez, BIM-Manager bei Fuscoe Engineering in Kalifornien.

„Es gibt immer noch grundlegende fachliche Unterschiede, aber es gibt inzwischen weit mehr Integration, Zusammenarbeit und Austausch und es werden bereits viel früher in der Planungsphase ausführliche Gespräche geführt“, sagt er. „Architekten und Bauingenieure sind eindeutig bestrebt, gemeinsame Standards festzulegen und Daten gemeinsam zu nutzen.“

Tongva Park & Ken Genser Square
Tongva Park und Ken Genser Square in Santa Monica/Kalifornien. Mit freundlicher Genehmigung von Fuscoe Engineering.

Das ist ein positiver Schritt in die richtige Richtung. Eine weitere große Herausforderung – die Erhöhung der Akzeptanz und Fachkompetenz im Umgang mit BIM bei diesen Partnern – nimmt Rodriguez bei Fuscoe als Nächstes in Angriff. „Anfangs erfolgte die Schulung unserer technischen Mitarbeiter in BIM recht informell, mit Hilfe von Mentoren“, sagt er. „In vielen Fällen lernten wir durch das Lösen der Probleme, die während der Arbeit auftauchten. Jetzt verfolgen wir einen systematischeren Ansatz bei der BIM-Schulung. Dieses Jahr zum Beispiel organisierte ich eine unternehmensweite BIM-Roadshow. Außerdem überprüfen wir gerade unseren aktuellen Kundenbestand auf Einsatzmöglichkeiten für BIM.“

Um bei Fuscoe eine echte BIM-Kultur zu entwickeln, so Rodriguez, ist neben der formalen Schulung die Kombination aus Mentoring und unternehmensweiter Überzeugungsarbeit mindestens genauso wichtig. Ein klares Bekenntnis von oberster Ebene spielt dabei eine zentrale Rolle.

„Bei Fuscoe beginnt die Unterstützung für BIM mit unserem CEO und Gründer, Pat Fuscoe, und das inspiriert das gesamte Unternehmen“, sagt er. „Gerade letzte Woche bat einer unserer Direktoren mich um eine Kollisionserkennung. Es ging um die unterirdischen Versorgungsleitungen bei einem Projekt für einen unserer wichtigsten Kunden, an dem er gerade arbeitete. Das war etwas, was er mich vor ein paar Jahren sicher noch nicht gefragt hätte! Als ich ihm die Ergebnisse innerhalb von fünf Minuten vorlegen konnte, war er von der Technologie schwer beeindruckt.“

fuscoe engineering navisworks project
Projektkoordination eines Mehrfamilienwohnprojekts mit Navisworks und BIM 360 Glue. Mit freundlicher Genehmigung von Fuscoe Engineering.

Rodriguez – BIM-Manager und von Autodesk zertifizierter Experte für die Implementierung im Bauingenieurwesen – erläutert, warum ein großer Teil seiner Arbeit bei Fuscoe nicht in direktem Zusammenhang mit Bauingenieurwesen oder Architektur steht. „Mein Augenmerk liegt auf der Technologie“, sagt er. „Mit der Etablierung von BIM als Fachgebiet tun sich gerade jenseits der klassischen Ingenieur- oder Architekturtätigkeit enorme Erfolgschancen auf.“

Rodriguez betrachtet BIM vor allem als ein Business-Tool, um Kosten zu sparen. Deshalb setzte er sich selbst das SMART-Ziel, ROI-Messverfahren (Return-On-Investment) auf die Arbeit mit BIM zu übertragen. „Das ist keine einfache Aufgabe, da sich die eingesetzte BIM-Technologie von Projekt zu Projekt unterscheidet. So werden Technologien wie Navisworks für Projektbewertungen genutzt, wodurch wir weniger Baupläne erstellen und drucken müssen. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir Kostenersparnis messen können.“

Er setzt BIM auch anderweitig ein – zum Beispiel, um Budgets und Deadlines zu überwachen. Aber mit diesen Vorzügen gehen neue Herausforderungen einher. „Nehmen wir zum Beispiel die interne Kommunikation“, sagt er. „Es gibt jetzt föderierte Modelle mit Tools im Social-Media-Stil und eine bessere Kommunikation innerhalb und zwischen den Teams ist sicher wünschenswert. Dies birgt allerdings auch die Gefahr von Ablenkung und wirft sogar Haftungsfragen auf. Angenommen, ein Subunternehmer ersucht uns um eine Kollisionserkennung. Für uns macht es Sinn, diese durchzuführen – es spart Zeit und Geld beim Bau. Aber es kostet auch Zeit, und es ist unklar, wer für diese Arbeit verantwortlich ist bzw. wer sie bezahlt. Wir haben gerade erst damit angefangen, für diesen Aspekt Standards und entsprechende Vertragsformulierungen zu entwickeln.“

Burbank Water and Power Ecocampus
Burbank Water and Power Ecocampus. Mit freundlicher Genehmigung von Fuscoe Engineering.

Als Beispiel nennt Rodriguez ein aktuelles großes Mehrfamilienwohnprojekt, das einen vorhandenen Baubestand umgibt. „Wir errichten hier umfangreiche Neubauten in und um bestehende Architektur herum, in einem dicht besiedelten Stadtgebiet, und die Beschaffenheit des Untergrunds ist sehr komplex“, sagt er. „Ganzheitliche, integrierte Projektabwicklung ist ein ganz wichtiger Aspekt unseres Erfolges. Wir setzten zum Beispiel Navisworks ein, um Kollisionen mit Versorgungsleitungen und Stützwänden schon frühzeitig zu erkennen – so konnten wir eine Menge Ärger und kostspielige Änderungsaufträge vermeiden.“

Aber zu welchem Zeitpunkt sollten die Ingenieure von Fuscoe mögliche Kollisionen mit den Planern diskutieren? „Konzeptionelle Arbeit kann sehr unübersichtlich sein“, erklärt Rodriguez. „Uns stehen bereits früh in der Planungsphase Modelle zur Verfügung, während unsere Partner im Bereich Architektur noch in der Konzeptionsphase sind. Also wann ist der richtige Zeitpunkt, die Kollegen zu informieren, wenn wir beispielsweise Überschneidungen von landschaftsbaulichen Elementen mit öffentlichen Verkehrsflächen feststellen? Oft greifen wir dabei auf Telefonate oder E-Mails zurück, was im Vergleich zu modellgestützter Kommunikation altmodisch erscheint.“

medical center project fuscoe engineering
Medizinisches Zentrum im Süden von Kalifornien. Mit freundlicher Genehmigung von Fuscoe Engineering.

Über derartige Themenstellungen gelangte Rodriguez zur Erkenntnis eines einfachen und klaren Prinzips im Umgang mit BIM-gestützter Planung: „Wenn man nicht mit einer guten 2D-Planung beginnt, wird die 3D-Umsetzung nutzlos sein“, sagt er. Mit anderen Worten: Gute Vermessung ist wertvoll. Ohne eine präzise zweidimensionale Beschreibung der Lage von Grenzen, Verkehrsflächen und vorhandenen Einrichtungen wie Kanalisation und Versorgungsleitungen würde in der Phase der 3D-Planung sicherlich viel Zeit verschwendet werden.

Für BIM-Manager wie Rodriguez ist es ebenso wichtig, die Unternehmenskultur zu pflegen, wie über neue Technologie auf dem Laufenden zu sein. Da gibt es Vorwärtssprünge und Rückschritte.

„Es ist kein Kinderspiel!“ sagt Rodriguez. „An manchen Tagen haben mein Team und ich das Gefühl, große Fortschritte zu machen. Dann wird uns eine neue Technologie vor die Nase gesetzt und wir stehen wieder vor neuen Herausforderungen. Aber wir arbeiten intensiv mit unseren Kunden und deren Beratern sowie auch mit Zulieferern und Bauträgern zusammen, um das volle Potenzial aus der gemeinsamen Nutzung von BIM herauszuholen.“

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