Automatisierung als Partner bei der Planung und Gestaltung: der Weg in eine bessere Zukunft für Milliarden von Menschen

Von Lynelle Cameron
- 7. Mai 2018 - 6 min-LEKTÜRE
planung und automatisierung

Der Gedanke an die Zukunft bereitet vielen schlaflose Nächte. Angesichts der zunehmenden Automatisierung durch Roboter steigt die Sorge, Teil einer Generation zu werden, die um ihren Lebensunterhalt bangen muss. Tatsächlich reicht es, einen Blick auf die Schlagzeilen zu diesem Thema zu werfen, um diese Ängste nachzuvollziehen. Wenn ich mir hingegen die Zukunft ausmale, bin ich optimistischer als je zuvor: Ich stelle mir vor, dass unsere Erde von zehn Milliarden Menschen bevölkert wird. Die meisten von ihnen leben in Städten (von denen es viele heute noch gar nicht gibt) und über die Hälfte genießt ein bequemes Leben in der Mittelschicht − trotz des erforderlichen Energie- und Ressourcenbedarfs sowie der damit einhergehenden Belastung des Planeten.

Auch wenn die Erfüllung dieser Anforderungen zweifellos eine enorme Herausforderung sein wird, bietet sich hier eine einmalige Chance für die Planungs- und Gestaltungsbranche. Denn was zunächst wie eine utopische Zukunftsvision klingt, ist durchaus vorstellbar, wenn man bedenkt, dass bereits heute die notwendigen Hilfsmittel und Technologien existieren, um bei Planungs-, Fertigungs- und Bauprojekten jeder Art bessere Entscheidungen treffen zu können. Es mag ein ehrgeiziges Vorhaben sein, jedoch ist es möglich, Milliarden von Menschen ein Leben in der Mittelschicht zu bieten − mitsamt ausreichender Energieversorgung und mehr Lebensqualität für jeden Einzelnen. Zugegebenermaßen wird die Umsetzung dieses Ziels kein leichtes Unterfangen sein. Es werden gezielte Planungs- und Gestaltungsmaßnahmen erforderlich sein, die darauf ausgelegt sind, nicht nur für eine, sondern für mehrere Milliarden Menschen eine bessere Welt zu schaffen. Eine solche bessere Welt wird vermutlich den Grundstein für eine lohnendere Zukunft für jeden Einzelnen bilden.

design and automation

Doch wie sieht diese „bessere Welt“ konkret aus? Um die Bedürfnisse von 10 Milliarden Menschen zu befriedigen, braucht es mehr Produkte, mehr Infrastruktur und mehr Gebäude. Im Klartext: Um einer derart großen Bevölkerung ein Dach über dem Kopf bieten zu können, müssten bereits heute bis in die absehbare Zukunft täglich 1.000 neue Gebäude errichtet werden. Die zwangsläufigen Folgen einer immer größer werdenden Bevölkerung bestehen in einem stets wachsenden Bedarf an Ressourcen und Gütern. Die einzige Möglichkeit, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, besteht darin, Technologie nicht wie bisher als bloßes Planungsinstrument einzusetzen, sondern sie als Partner und Mitgestalter zu betrachten. Das Geheimnis für eine erfolgreiche Zukunftsplanung lautet in diesem Fall Automatisierung.

Manch einer denkt bei diesem Stichwort gleich an Roboter, welche die Welt der Fertigungstechnik aufwühlen und menschlichen Arbeitskräften den Job kosten. Obwohl sich diese Entwicklungen nicht leugnen lassen, handelt es sich dabei nur um einen Teil eines größeren Ganzen. Denn bei der Automatisierung geht es um mehr als Roboter. Sie hat den Gestaltungs- und Fertigungsprozess von Grund auf revolutioniert und diesen von der Ära der 2D-CAD-Entwürfe über die 3D-Modellierung in das moderne Zeitalter des generativen Designs geführt.

Automatisierung greift zur Überprüfung oder Optimierung eines Entwurfs auf Simulation zurück, wodurch die Notwendigkeit entfällt, einen physischen Prototyp zu entwickeln. Sie besteht in der Erstellung von BIM-Modellen (Building Information Modeling) zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Architekten, Ingenieuren und Konstruktionsteams, um das übliche Silodenken aufzubrechen und in Echtzeit Entscheidungen über Abteilungs- oder Unternehmensgrenzen hinweg zu treffen. In der Welt von heute bedeutet Automatisierung den Einsatz hoher Rechenleistung und der Cloud, um mithilfe von generativem Design Tausende von Gestaltungsoptionen zu entwickeln.

Eine Reihe von zukunftsorientierten Unternehmen haben bereits begonnen, mithilfe von Technologie und Automatisierung große Herausforderungen in Angriff zu nehmen. So baut die Organisation Build Change beispielsweise in Entwicklungsländern Häuser und Schulen, die Erdbeben und Wirbelstürmen standhalten, und gibt lokalen Regierungsbehörden und Unternehmen die nötigen Kenntnisse für die Entwicklung solcher katastrophensicheren Infrastrukturen an die Hand. Build Change setzt Drohnen und Photogrammetrie (Messbildverfahren) ein, um Pläne von abgelegenen Dörfern anzulegen und Erdbebenschäden zu dokumentieren. So soll betroffenen Bevölkerungen ermöglicht werden, Zerstörtes möglichst effektiv und zukunftssicher wiederaufzubauen.

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Was die Fertigung angeht, so forscht ein EU-Konsortium aus Branchen- und Wissenschaftspartnern zurzeit im Rahmen eines Projekts mit dem Titel SYMPLEXITY nach einer Möglichkeit, Robotern industrielle Poliertechniken beizubringen. Die Idee: Mittels algorithmischer Programmierung und maschinellem Lernen sollen Verfahren, die derzeit einen großen zeitlichen und manuellen Aufwand erfordern, zukünftig von Robotern erledigt werden. Dabei handelt es sich nur um eine der zahlreichen Einsatzmöglichkeiten fortschrittlicher Automatisierung in Fertigungsprozessen, die es menschlichen Arbeitskräften erlauben werden, sich auf wichtigere Planungs- und Entwicklungsaufgaben zu konzentrieren.

Angesichts der zunehmenden Verbreitung der Automatisierung ist es verständlich, dass viele der Zukunft mit Unsicherheit und Unbehagen entgegensehen und sich Sorgen um ihren Job machen. In der Tat wirkt sich die Automatisierung aber bereits seit Jahrzehnten auf Arbeitsabläufe jeglicher Art aus, und daran wird sich auch vorerst nichts ändern. Gleichzeitig definiert sie jedoch innerhalb der Fertigungsbranche die Grenzen des Machbaren neu und erlaubt es somit, gestalterische Hindernisse schneller, einfacher und geschickter zu überwinden. Automatisierungstechnologien sorgen durch die Ergänzung und Verbesserung menschlicher Fähigkeiten für mehr Qualität in der Fertigung und schaffen damit die Voraussetzungen für eine bessere globale Zukunft.

Nichtsdestoweniger sind nicht etwa neue Technologien der Schlüssel zum Erfolg, sondern vielmehr die Menschen − vorausgesetzt, dass sie die richtige Einstellung und Zukunftsvision haben. Die Möglichkeit, alles Erdenkbare mittels Technologie zu optimieren, wirft einige Fragen auf: Was genau soll künftig erschaffen werden? Welchen Mehrwert werden Menschen ihrem Arbeitgeber in Zukunft bieten können? Welche Gestaltungsabsichten werden sie bei der Zusammenarbeit mit Maschinen verfolgen? Was wird die Menschheit von heute ihren Nachkommen hinterlassen?

Wenn es uns gelingt, gemeinsam auf eine bessere Welt hinzuarbeiten, werden heutige Entwicklungsziele schnell überholt sein. Es wird nicht mehr bloß um energieeffizientere Gebäude gehen, sondern um Infrastrukturen, die selbst saubere Energie produzieren. Das Ziel sollten nicht nur Städte mit weniger Luft- und Wasserverschmutzung sein, sondern auch sichere, fußgängerfreundliche und von Gemeinschaftssinn geprägte Städte, in denen Menschen nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten.

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In Anbetracht der begrenzten Ressourcen unseres Planeten muss es uns früher oder später gelingen, Fertigungsverfahren mit geringeren negativen Auswirkungen zu entwickeln. Mich begeistert der Gedanke an eine solche bessere Welt: eine mit ausreichend erneuerbarer Energie, in der Fertigung und Bauwesen von zirkulären Geschäftsmodellen bestimmt werden und das Konzept von „Abfallstoffen“ nicht mehr existiert − eine Welt mit einer Gesellschaft, die optimal für die Zukunft gerüstet ist.

Ich bin zuversichtlich, dass eine solche Zukunft möglich ist. Wir verfügen über die notwendige Technologie und sind nicht mehr auf uns allein gestellt. Die Automatisierung steht uns als Partner zur Seite, der unsere Fertigungsfähigkeiten und -kapazitäten erweitert und uns hilft, eine bessere Welt zu gestalten.

Der Arbeitsmarkt der Zukunft wird von den Millennials und ihren Nachfolgern bestimmt werden. Ihnen wird die Aufgabe zukommen, auf der bereits geleisteten Arbeit aufzubauen und diese fortzuführen. Dass ihnen die Zukunft am Herzen liegt, haben diese Generationen bereits bewiesen: Sie legen Wert auf die Herkunft ihrer Produkte und möchten wissen, dass ihr Arbeitgeber ihre persönlichen Werte teilt. Sie schrecken nicht vor Risiken zurück und packen Gelegenheiten gerne beim Schopf. Daher ist es äußerst vielversprechend, dass ihnen nun die passende Technologie zur Verfügung steht, um ihre Motivation, ihr Talent, ihre Fähigkeiten und ihre Leidenschaft zu fördern und zu stärken, und sie beim Schaffen einer besseren Zukunft zu unterstützen.

Sehen Sie, wie Lynelle Cameron auf der Re: publica 2018 über Automatisierung und Zukunft diskutiert.

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