Das ultimativ nachhaltige Unternehmen: Saubere Produktion beim Seifenhersteller Method

Von Zach Mortice
- 4. Aug 2015 - 7 min-LEKTÜRE
Karmic Bikes hat das Elektro-Rad neu erfunden und geht neue Wege in Sachen E-Bike-Design – und das ganz ohne konstruktionstechnisches Vorwissen!

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Experten für nachhaltige Seife bei Method kaum von früheren Generationen visionärer Kapitalisten, die in den Chicagoer Stadtteil Pullman kamen, um ihre Träume zu verwirklichen.

Wie Schienenfahrzeug-Magnat George Pullman im Jahr 1880 kamen Methods Gründer Eric Ryan und Adam Lowry in die Chicagoer South Side, um mithilfe von innovativer Architektur und Stadtplanung ein Zentrum für Hightech-Produktion zu erschaffen. Ein starker Antrieb dabei waren ihre radikalen Ansichten bezüglich der Verantwortung von Unternehmen sowohl gegenüber den Menschen im Umfeld als auch ihren Kunden.

corporate_sustainability_method_soap_factory_assembly_line
Bis Ende 2015 sollen rund 75 Prozent aller Produkte von Method im Werk in Pullman hergestellt werden. Mit freundlicher Genehmigung von Method.

Hier enden die Gemeinsamkeiten jedoch auch schon.

Pullman war ein kompromissloser, patriarchalischer Raubritter. Er beauftrage einen 26-jährigen Architekten (Solon Spencer Beman) mit der Planung einer Werkssiedlung, die Geschichte schreiben sollte. Pullman baute prachtvolle, romanische Fabrikgebäude aus rotem Backstein, Mietwohnungen und Hotels. Er vermietete all diese Objekte und schraubte die Arbeitslöhne herunter, um mit jedem seiner Gebäude eine Rendite von 6 Prozent zu erreichen. Damit provozierte er einen monumentalen Streik, der die Eisenbahnindustrie landesweit zum Erliegen brachte – und ihm viel böses Blut. Nach seinem Tod musste man einige Tonnen Beton aufwenden, um sein Grab auf Chicagos Friedhof „Graceland“ vor Vandalen zu schützen.

corporate_sustainability_method_soap_factory_chicago
Das Method-Werk in Chicagos Stadtteil Pullman. Mit freundlicher Genehmigung von Method.

Das in San Francisco gegründete Method hingegen ist ein Unternehmen, das Gutes tut – es verkauft nachhaltige Seife, die in seinem neuen, mit LEED-Platin zertifizierten Werk hergestellt wird. Das Unternehmen hat sich dazu vertraglich verpflichtet: Als eingetragene Benefit Corporation hat sich Methods Unternehmensführung zur nachhaltigen Ausrichtung ihrer Geschäftstätigkeit verpflichtet – sowohl sozial als auch in Sachen Umwelt. Auch wenn es sich noch in Privatbesitz befindet, „können unsere Gesellschafter uns zur Rechenschaft ziehen, wenn wir nicht im Sinne der Gemeinschaft handeln,” sagt Methods Umweltbeauftragte Saskia van Gendt.

Methods neues Seifenwerk in Chicagos South Side wurde von dem Architekten und Nachhaltigkeits-Pionier William McDonough geplant und ist die bautechnische Umsetzung dieser Unternehmensphilosophie. Von der Produktion bis zur Versorgungskette ist alles auf die Erschaffung eines Betriebes ausgerichtet, der sowohl auf das umliegende Land als auch auf die verarmte Bevölkerung der South Side eine regenerative Wirkung hat.

Methods zentrale Nachhaltigkeitsstrategie zielt grundsätzlich darauf ab, dass auch die gesamte Beschaffungskette nachhaltig operiert. „Wir sind bestrebt, unseren gesamten Fußabdruck zu steuern“, betont van Gendt.

corporate_sustainability_method_soap_factory_architecture
Die Belegschaft des Werkes wurde größtenteils aus den umliegenden Stadtteilen angeworben. Mit freundlicher Genehmigung von Method.

Die von Karim Rashid für Method entworfenen Verpackungen werden aus recyceltem Kunststoff hergestellt. Ein Großteil der Lieferfahrzeuge wird mit Biodiesel betrieben. Das Unternehmen bietet Lieferanten von Rohmaterialien und Verpackungen finanzielle Anreize, die Nachhaltigkeit des eigenen Betriebs zu verbessern. Die Inhaltstoffe für die Seifen werden in fünf verschiedenen Verfahren geprüft und von der Cradle to Cradle® Zertifizierung als völlig ungiftig und unbedenklich eingestuft. (Die Zertifizierung wurde von McDonough mit dem deutschen Chemiker Prof. Dr. Michael Braungart entwickelt und wird heute vom Cradle to Cradle Products Innovation Institute verwaltet.)

„Unser Unternehmen gründet sich auf das Prinzip der Umweltverantwortung“, sagt van Gendt. „Soziale Verantwortung allerdings ist auch für uns noch Neuland. Wie definiert sich der Nutzen, den man der Gemeinschaft zurück gibt? Wir arbeiten noch daran, was das genau für uns bedeutet. Unter anderem gehört dazu die Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen, die hier in Pullman leben.“

Im Vergleich zu der prächtigen kunstvollen Architektur, die Pullman die Einstufung als Nationaldenkmal bescherte, ist das Method-Werk ein eher schlichtes Projekt. Das bescheidene Budget für seine 15.000 Quadratmeter Fläche belief sich auf 30 Millionen US-Dollar. Das mit Schwermetallen verunreinigte Land, ehemals Standort eines Sägewerks und eines Stahlwerks, wurde von Method saniert. Nun gleicht das Grundstück einem Park, umgeben von Präriegras, Feuchtgebieten und Regenwasserrückhaltebecken.

corporate_sustainability_method_soap_factory_world_largest_rooftop_greenhouse
Das Gewächshaus auf dem Dach des Werkes (fotografiert während der Bauphase). Mit freundlicher Genehmigung von William McDonough + Partners.

Das Das Werk wurde in Zusammenarbeit mit Heitman Architects, Spezialisten für Industriebau, geplant und mit Betonfertigteilen gebaut. Die gegiebelten Gewächshäuser auf dem Dach sollen künftig von dem New Yorker Spezialisten für urbanen Gartenbau, Gotham Greens, betrieben werden. Mit ca. 7.000 Quadratmetern entsteht hier das vermutlich größte Dachgewächshaus der Welt, und bald schon sollen Blattgemüse wie Basilikum, Salat und Grünkohl geerntet werden. Das Gewächshaus wird jährlich bis zu 500.000 Kilo frisches, nachhaltig produziertes, pestizidfreies Gemüse produzieren, welches über lokale Einzelhändler, Restaurants, Bauernmärkte und Gemeindeinitiativen vertrieben werden soll.

Auf dem Firmenparkplatz folgen die alle 6 Minuten rotierenden Kollektoren der Photovoltaikanlage dem Lauf der Sonne. Daneben gibt es eine Windturbine, die so hoch ist wie 23 Stockwerke. Aus diesen erneuerbaren Energiequellen produziert das mit LEED-Platin zertifizierte Unternehmen ein Drittel des benötigten Stroms selbst und deckt den restlichen Bedarf über den Kauf von Renewable Energy Certificates.

Zwei Fensterbänder gliedern die nach Süden ausgerichtete Fassade. Die Fenster sind in Anlehnung an die farbenfrohen Produkte von Method mit leuchtend bunten Markisen gerahmt. Der fröhliche Fassadenschmuck ist von der naheliegenden Autobahn I-94 gut sichtbar und erinnert an Robert Venturis postmodernes Konzept der „Decorated Shed“ – ein einfaches, von ikonografischer Beschilderung geprägtes Gebäude.

corporate_sustainability_William_McDonough_factory_design
William McDonoughs Skizze einer traditionellen Fabrik und des Method-Werks. Mit freundlicher Genehmigung von William McDonough + Partners.

McDonough (dessen Team das Projekt mit Autodesk AutoCAD plante) konzipierte seinen Entwurf in ähnlich schlichten zweidimensionalen Formen. „Wenn man ein Kind bittet, eine Fabrik zu zeichnen“, sagt er, „kommt dabei ein breites Rechteck mit einem Schornstein heraus. Falls es öfter mal Geschichtsdokumentationen gesehen hat, dann gibt es vielleicht noch ein Sägezahndach, damit Tageslicht einfallen kann.“ Beim Method-Werk wurde diese ikonische universelle Darstellung auf den Kopf gestellt: Die Ausgangsform ist die gleiche, aber statt eines Gift spuckenden Schornsteins steht hier eine Windturbine und anstelle des Sägezahndachs mit Oberlichtern ein hydroponisches Gewächshaus.

„Für wen planen wir denn eigentlich?“, fragt McDonough. „Wir planen alles für 10-Jährige. Was für Kinder richtig ist, funktioniert auch für alle anderen. Schließlich sind sie es, die im nächsten Jahrhundert hier leben werden.“

In der zweigeschossigen Eingangshalle präsentieren sich Method-Produkte in einem regenbogenfarbenen Arrangement von an der Wand installierten leuchtenden Kugeln. Methods Werkhalle vereint das Mischen von Inhaltsstoffen für Reinigungsmittel, das Verpacken (in langfristiger, in den Prozess integrierter Zusammenarbeit mit Amcor) und die Logistik unter einem Dach. Von drei geplanten Produktionslinien war im August 2015 bereits eine in Betrieb. Bereits Ende 2015 sollen rund 70 Prozent aller Produkte von Method hier hergestellt werden.

corporate_sustainability_inside_method_soap_factory
Methods Werkhalle vereint das Mischen von Inhaltsstoffen für Reinigungsmittel, das Verpacken und die Logistik unter einem Dach. Mit freundlicher Genehmigung von Method.

Hinter hohen Reihen von Lagerregalen greifen die farbkodierten Tore der Laderampen die bunten Markisen wieder auf, und Oberlichter lassen Sonnenlicht in die Halle strömen. Die Werkhalle ist hell und luftig und frei von beißenden chemischen Dünsten. „Wenn ich Lavendel rieche weiß ich, dass wir gerade Allzweckreiniger produzieren“, sagt van Gendt. Und das Arbeitsumfeld bietet weitere Annehmlichkeiten. Ihre Mittagspause können die Mitarbeiter im mit WLAN ausgestatteten Gewächshaus genießen – bei 24 Grad Celsius im Januar. Neben der Terrasse im zweiten Geschoss blickt man auf ein mit Klee bewachsenes Dach sowie über die umliegenden Feuchtgebiete und die Prärie.

Wer mit McDonoughs Arbeit vertraut ist, wundert sich nicht über diese Verbindung zur Natur. Mit seinem Architekturbüro William McDonough + Partners hat er Architektur neu erfunden: Infrastruktur, die als Ergänzung zur Natur fungiert – nicht als Gegensatz. Schon frühzeitig, als man noch davon ausging, dass preiswerter fossiler Kraftstoff Le Corbusiers „Wohnmaschine“ für immer am Laufen halten könne, kam McDonough etwas an dieser klassischen modernistischen Maxime komisch vor. Er fragte sich: Wenn ein Haus eine Maschine zum Leben ist, ist dann eine Kirche „eine Maschine zum Beten?“ Wäre es nicht besser, wenn Gebäude eher ein Teil der Natur wären, so wie ein Baum?

corporate_sustainability_method_soap_factory_wind_solar
Mit freundlicher Genehmigung von Method

„Das Konzept eines baumähnlichen Gebäudes faszinierte mich, da es sich um negative Entropie (‚vollständige Ordnung‘) handelte“, sagt McDonough. „die Idee von etwas, das nicht einfach nur Chaos verursacht und Kohlenstoff ausscheidet.“

Bäume speichern Kohlenstoff und setzen Sauerstoff frei. Das Method-Werk generiert Energie und produziert Nahrung. Trotz seiner industriellen Herkunft erneuert es sein Umfeld und stellt Produkte her, die das gleiche tun können.

Häufig wird bei nachhaltiger Architektur davon gesprochen, wie man negative Auswirkungen minimieren kann – statt davon, wie man damit Gutes erwirkt. Das Method-Werk vollzieht diesen nächsten Schritt. Die Cradle to Cradle® Design-Richtlinie bedeutet für Gebäude das Gleiche wie die Cradle to Cradle®-Zertifizierung für Produkte. Die Richtlinie ist eine von nur wenigen konkreten Anleitungen zur Umsetzung dieses Bestrebens: Man untersucht, wie Dinge erschaffen, genutzt und weiterentwickelt werden, und stellt so sicher, dass sie entweder wieder dem Boden oder der Wiederverwendung zugeführt werden.

Ähnliche Artikel