Gemeinsam sind wir stark: Maschinenbauer und der Mix der Generationen

Von Gary McCormick
- 16. Jul 2015 - 6 min-LEKTÜRE

Ich habe mein Maschinenbaustudium 1981 abgeschlossen. Damals wurden Rechenschieber gerade durch bezahlbare, leistungsstarke wissenschaftliche Taschenrechner ersetzt. Ja, Sie haben richtig gelesen: Rechenschieber und Taschenrechner.

Auch meine Zeichnungen entstanden damals auf richtigen Reißbrettern. Schreibtischrechner und computergestütztes Design und Zeichnen? Das war alles noch Zukunftsmusik. Natürlich hat sich die Belegschaft im Bereich Produktion in den 34 Jahren, die ich für einen bedeutenden US‑Rüstungskonzern an dessen Standort an der Westküste arbeite, stark verändert.

Heute arbeite ich mit Maschinenbauingenieuren zusammen, die im Umgang mit 3D-CAD-Systemen versiert sind, aber vermutlich niemals ein 2D-CAD-System benutzt, geschweige denn eine Zeichnung mit Bleistift und Papier angefertigt haben. Außerdem gehen sie mit einer komplett anderen Einstellung an die Arbeit heran.

Ein typisches Beispiel: Ein Ingenieur Mitte 20 übernahm Design-Verbesserungen an einem Hardware‑Teil, für dessen endgültiges Design ich verantwortlich bin. Er leistete ausgezeichnete Arbeit beim Brainstormen von Design‑Möglichkeiten und der Durchführung von Labortests (den interessanten Aufgaben). Aber just in dem Moment, als die Änderungen am Design finalisiert wurden und die relativ drögen Dokumentationsarbeiten anfingen, nahm sich der Ingenieur ein Jahr frei, um auf Weltreise zu gehen. Was bedeutete das für mich? Das Aktualisieren der Zeichnungen und das Überprüfen der Wartungsunterlagen blieben an mir hängen und natürlich stellte ich das Engagement der jungen Generation in Frage.

Heutzutage gehören die Mitarbeiter eines Unternehmens unterschiedlichen Generationen an: So treffen die „Babyboomer“ der Jahrgänge 1946 bis 1964 auf Kollegen der sogenannten Generation Y, die zwischen 1979 und 2000 geboren wurden. Letztere wuchsen in einer Zeit auf, in der die Welt den schnellsten technischen Fortschritt aller Zeiten erfuhr. Natürlich wirken sich kulturelle und technologische Unterschiede zwischen Generationen an jedem Arbeitsplatz aus. Im Bereich Maschinenbau beeinflusst ein unterschiedlicher technologischer Wissensstand die Arbeitsweise jedoch grundlegend. Es ist, als würde man zwei komplett unterschiedliche Dialekte einer Sprache sprechen.

Gemeinsam erfolgreich sein!

Maschinenbauer mit unterschiedlichsten Fähigkeiten und Erfahrungen treffen also im Büro und auch in der Produktionshalle aufeinander: Wie können die verschiedenen Generationen von ihren jeweiligen Stärken profitieren und ihre Schwächen ausgleichen, um jeweils das Beste aus sich herauszuholen?

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Man muss zugeben, dass dieser Appell an das Gemeinschaftsgefühl ein bisschen an die Hippie‑Bewegung der 60er Jahre erinnert, die meiner Generation angehörte. Auch wenn uns Babyboomern oft Eigennützigkeit vorgeworfen wird, liegen uns altruistische Werte eben doch nahe.

Die Babyboomer wuchsen zur Zeit des Kalten Krieges auf und erlebten den Wettlauf ins All, der die Aufmerksamkeit auf das Können der Ingenieure lenkte. Manchmal legen sie eine selbstgefällige Einstellung an den Tag und bilden sich ein, ihnen gehöre alles. Schließlich sind sie Teil der Generation, die einen Großteil der Technologie geschaffen hat, von der die moderne Gesellschaft heute abhängig ist.

Und auch ich bekenne mich schuldig: Aha, Social-Media-Technologien sollen also „die Welt verändern“? Dass ich nicht lache, dabei geht’s doch nur ums Programmieren und die Hardware, die Social-Media überhaupt erst möglich macht, hat meine Generation entwickelt! (Man könnte das auch als Platzhirschgehabe bezeichnen.)

Ingenieure, die der Generation X angehören, wuchsen wiederum in einer anderen Gesellschaft auf. Sie erlebten den Deutschen Herbst und den Optimismus, den der Mauerfall mit sich brachte, aber auch die erhöhte Wachsamkeit nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Oft waren beide Elternteile berufstätig und so brachte diese Generation die ersten Schlüsselkinder hervor. Sie lernten von klein auf unabhängig zu sein und Autoritätspersonen weniger Respekt entgegenzubringen.

Die Generation Y ist eine Klasse für sich: Die meisten von ihnen haben ein Leben ohne Internet nie kennengelernt und wuchsen in einer vernetzten Welt auf. Aus diesem Grund stellen Ingenieure dieser Generation neue Anforderungen an ihren Arbeitsplatz. Ihr Dasein ist geprägt durch Zweifel und Ungewissheit. Sie sorgen sich verstärkt um die Umwelt, die weltweite Finanzlage und noch vieles mehr. Einer Umfrage zufolge blickt diese Generation aber dennoch optimistisch in die Zukunft..

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Wie aber können wir voneinander profitieren?

Einige der Herausforderungen, denen moderne Ingenieure gegenüberstehen, beruhen auf dem Gegensatz zwischen Alter und Erfahrung einerseits und Jugend und Enthusiasmus andererseits. Die Sichtweise des anderen zu verstehen, bildet den Grundstein für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Erinnern Sie sich noch an den Ingenieur Mitte 20, von dem ich zu Beginn berichtete? Hätte die Geschäftsleitung ein besseres Gespür für seine Fähigkeiten und Vorlieben gehabt, wäre es ihr vielleicht gelungen, einen talentierten Kollegen im Team zu halten. Die Geschäftsleitung bestand jedoch darauf, Aufgaben auf die seit Jahren bewährte Art zuzuweisen, und verlor so nicht nur einen Ingenieur, sondern auch seine Erfahrung im Umgang mit unseren Systemen.

Genauso wichtig ist es sicherzustellen, dass Wissen nicht verloren geht, wenn die Babyboomer nach und nach aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Bei meinem Arbeitgeber tat sich eine große Erfahrungslücke auf, als die Entwicklung eines wichtigen Waffensystems für 10 Jahre unterbrochen wurde, was dazu führte, dass über lange Zeit keine Ingenieure eingestellt wurden.

Als dann ein neues Update dieses Systems angekündigt wurde, begann man mit der Befragung der an der Entwicklung des alten Systems beteiligten Ingenieure, von denen viele das Rentenalter fast erreicht hatten. So entstand eine Sammlung von White Papers, die den überlieferten Erfahrungsschatz zusammenfasste und den Ingenieuren eine Hilfestellung bot, die das Systemupdate entwickeln mussten. Dieses gesammelte Material ist jedoch nur von Wert, wenn es in der nachfolgende Ingenieursgeneration verbreitet wird. Ob diese dem Wissen jedoch aufgeschlossen gegenübersteht, sei dahin gestellt.

Um die erfahrungsbasierte Informationsweitergabe zu fördern, ist die Beziehung zwischen dem erfahrenen Vorgesetzten und seinen Ingenieuren von entscheidender Bedeutung. Ich habe diese informelle Wissensvermittlung durch einen vorbildlichen Vorgesetzten selbst erlebt. Es ist eine Art osmotische Lernerfahrung, die in einer formellen Schulungsumgebung unmöglich nachempfunden werden kann. Gleichzeitig erlangte ich Respekt für die Arbeiter, die die von mir entwickelten Geräte herstellen, zusammenbauen und testen. Studien zeigen, dass auch Ingenieure der Generation Y dieses praktische, erfahrungsbezogene Lernen an der Seite erfahrener Ingenieure ansprechend finden.

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Unterschiede zwischen den Generationen müssen genutzt werden!

Um die grundverschiedenen Fähigkeiten von Ingenieuren verschiedener Generationen in vollem Umfang nutzen zu können, ist eine Zusammenarbeit zwischen dem sogenannten einsamen Genie und dem Konstruktionsteam unerlässlich. Oft schauen ältere Ingenieure zu einsamen Ingenieurgenies wie George Westinghouse, Thomas Alva Edison und Henry Ford auf. In der Generation X und Y hingegen wird Teamarbeit großgeschrieben. Schon an der Universität zielten viele Seminare dieser Ingenieursgeneration auf Gruppenarbeit und die gemeinsame Entwicklung von Entwürfen ab.

Für einige, besonders für ältere Ingenieure, mag Teamarbeit in dem Ruf stehen, mittelmäßige Ergebnisse hervorzubringen. Wird er jedoch richtig umgesetzt, verbindet dieser Ansatz die Führungsqualitäten erfahrener Teammitglieder mit den frischen Ideen junger Ingenieure. Fehlende Teamarbeit hingegen können junge Ingenieure in ihren ersten Berufsjahren als frustrierend empfinden. Als Konsequenz suchen einige sogar nach beruflichen Möglichkeiten außerhalb der Ingenieurswelt.

Wir müssen lernen, die wertvollen Eigenschaften der generationsübergreifenden Belegschaft zu erkennen, um das Potenzial der klugen Köpfe, die sich zum Maschinenbau hingezogen fühlen, voll und ganz nutzen zu können. Denn im Grunde genommen haben alle Maschinenbauer – egal ob Babyboomer, Generation X oder Generation Y – eines gemeinsam: Sie wollen Dinge erschaffen. Lasst uns also eine Lösung finden, tolle Dinge gemeinsam zu schaffen!

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