Produkte mit Mehrwert – so profitieren Verbraucher vom industriellen Internet der Dinge

Von Diego Tamburini
- 20. Jan 2016 - 5 min-LEKTÜRE

Heutzutage sind immer mehr Verbraucher und Produkte in der Welt des IoT vernetzt und das mysteriöse Internet der Dinge wird langsam Teil unseres Alltags.

Mittlerweile ist der vielen Menschen vertraut. Doch was genau die vernetzte Zukunft für uns bereithalten wird, ist vielen noch unklar. Wo liegt eigentlich der Sinn dieser vielfältigen Verbindungsmöglichkeiten, wenn sie keinen erkennbaren Beitrag zur Wertschöpfung leisten? Warum sollten Verbraucher sich überhaupt für das industrielle Internet der Dinge interessieren? Die Antwort liegt klar auf der Hand: Sobald sich ihre Produkte vernetzen lassen, stehen Herstellern und anderen Dienstleistern neue Möglichkeiten offen. Sie können ihren Kunden eine Vielzahl von Angeboten und Serviceleistungen bieten, von denen die Verbraucher auch nach dem eigentlichen Kauf des Produkts nachhaltig profitieren können.

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Dafür gibt’s ne App!

Eine naheliegende Lösung, mit der die Hersteller ihren vernetzten Produkten einen Mehrwert verleihen können, sind Software‑Anwendungen. Damit können Kunden sich auch von außerhalb mit ihren Produkten verbinden, diese steuern und überwachen. Außerdem können Programmierschnittstellen (APIs) zur Verfügung gestellt werden, damit andere Dienstleister ebenfalls Verbindungen zu diesen Produkten aufbauen können. Diese neuen Funktionalitäten und Interaktionsmöglichkeiten tragen dazu bei, den Wert des Produkts zu steigern.

Einen derartigen Mehrwert bieten Sicherheitssysteme und –geräte für den Heimbereich bereits seit Langem, aber auch industriellen Anwendungen im IoT ist er nicht fremd. So bietet beispielsweise das Unternehmen Premier Deicers aus dem US‑amerikanischen Bundesstaat Wisconsin Maschinen zur Flugzeugenteisung an. Das hauseigene Überwachungssystem Guardian Angel Monitoring System ermöglicht aus der Ferne den Zugriff auf 29 Funktionen der Enteisungsfahrzeuge, sodass u. a. der Druck von Flüssigkeiten, aber auch elektrische Komponenten gesteuert werden können. Überall dort, wo eine Verbindung zum Internet besteht, können die Kunden in Echtzeit auf Werte von relevanten Funktionen der Enteisungsfahrzeuge zugreifen.

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Nutzen Sie Upgrades!

Der Mehrwert von Produkten, die man aus der Ferne überwachen und steuern kann, ist offensichtlich. Hersteller können aber sogar noch einen Schritt weitergehen und die Produkte upgraden, die sich bereits im Besitz ihrer Kunden befinden. Upgrades werden verstärkt mithilfe von Software erfolgen und sich immer leichter durchführen lassen, weil Hersteller Design‑Probleme künftig häufiger durch Software anstelle von Hardware beheben werden.

Das beste Beispiel für dieses Upgrade‑Modell ist Tesla. Das Unternehmen produziert Fahrzeuge mit Elektroantrieb und bietet für sein Model S bereits seit Jahren sogenannte Over‑the‑Air‑Updates an. Vor Kurzem erhielt die Elektrolimousine nun das In den USA erfolgte die drahtlose Umsetzung bei allen Model S‑Limousinen innerhalb von einer Woche. Jede von ihnen wurde dank des Updates zu einem autonomen, selbstfahrenden Fahrzeug, das letztendlich aber doch noch von Menschenhand gesteuert wird (zumindest im Moment).

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Her mit Gütern und Dienstleistungen! Des Weiteren können Hersteller den Wert ihrer Produkte erhöhen, indem sie dazu passende Dienstleistungen anbieten. Für diese Dienstleistungen werden die immensen Datenmengen genutzt, die ein IoT‑Produkt generiert. In der Kombination mit Techniken zur Datenauswertung können diese Dienstleistungen zu dem gewissen Extra werden, das bestimmten Herstellern einen Wettbewerbsvorteil verschafft.

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Durch laufende Beobachtung und Auswertung der Daten, die sie von ihren Produkten erhalten, können die Hersteller aus der Vergangenheit lernen, aber auch in die Zukunft sehen. So könnte beispielsweise, wie in der obigen Abbildung dargestellt, ein Hersteller feststellen, dass unter bestimmten Bedingungen zu viel Strom verbraucht wird. Also sucht er nach Lösungen, um die Effizienz seines Produkts zu steigern. Ein anderer Hersteller könnte Erkenntnisse darüber gewinnen, warum ein bestimmtes Teil zu oft versagt, und dieses Problem dank Verbesserungen an seinem Entwurf zukünftig vermeiden.

Noch besser wäre es natürlich, wenn der Hersteller im Voraus erkennen könnte, wann das Teil kaputtgehen wird, und dann schon den Service‑Techniker beauftragt, der es während einer geplanten Stillstandszeit ersetzt. So entstehen dem Kunden viel geringere Kosten. Fachleute sprechen bei dieser Art von Wartung auch von prädiktiver Instandhaltung: Ein Konzept, das in der nachfolgenden Abbildung veranschaulicht wird.

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Das Konzept der zu einem vernetzten Produkt passenden Dienstleistungen lässt sich jedoch noch weiterdenken. Wie wäre es, solche Dienstleistungen auch auf Systemebene einzuführen, also dort, wo Produkte verschiedener Hersteller miteinander verbunden sind? In solch einem Szenario wäre ein Hersteller oder ein unabhängiger Systemintegrator in der Lage, die Leistung eines jeden Geräts innerhalb des Systems zu überwachen. Parameter und Arbeitsweisen der Geräte könnten angepasst werden, um die Systemleistung insgesamt zu verbessern. Das System könnte aus ähnlichen Geräten bestehen, wie zum Beispiel im Falle der Enteisungsflotte von Premier Deicer. Denkbar wäre aber auch ein System aus unterschiedlichen Geräten, wie beispielsweise in einer intelligenten Fabrik, einem intelligenten Gebäude oder einer intelligenten Lieferkette. So könnte ein Diesel‑Generator den Füllstand eines nahegelegenen Tanks überprüfen und dann automatisch einen mit GPS‑Tracker ausgestatteten Tankwagen losschicken, der den Kraftstoff abholt und liefert.

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Die Geburt neuer Geschäftsmodelle

Besonders interessant werden solche zusätzlichen Dienstleistungen für vernetzte Produkte für die Hersteller dadurch, dass sie ihnen die Einführung neuer Geschäftsmodelle ermöglichen. Das traditionelle Geschäftsmodell sieht bisher so aus, dass der Kunde zunächst für das Produkt und später – je nach Bedarf – für Ersatzteile zahlt.

In einem komplexeren Modell zahlt der Kunde für proaktive Instandhaltungsdienstleistungen. Das bedeutet: Der Hersteller überwacht die Produkte in der Produktionsstätte des Kunden aus der Ferne. Mithilfe der erfassten Daten kann er ermitteln, wann eine Wartung des Produkts erforderlich ist. Dann plant der Hersteller die Reparatur und führt sie innerhalb einer geplanten Stillstandszeit aus, bevor das Produkt überhaupt kaputtgeht. Da die Wartung proaktiv erfolgt, spart der Kunde Geld, weil keine ungeplanten Stillstandszeiten für Reparaturen mehr anfallen. Gleichzeitig entstehen für den Hersteller Anreize, zuverlässigere Produkte zu entwickeln, weil er das Risiko bei Ausfällen trägt. Im Rahmen dieses Geschäftsmodells können auch Upgrades von Bauteilen oder Software erfolgen, die das Produkt verbessern.

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Ein Geschäftsmodell geht sogar noch weiter, indem das Produkt als Dienstleistung angesehen wird. Dieses Modell sieht vor, dass der Kunde nicht für das Produkt oder für Ersatzteile zahlt, sondern das Produkt quasi abonniert. Er zahlt eine feste Summe nach einem zuvor festgelegten Zeitplan, z. B. monatlich, jährlich oder quartalsweise. Bei diesem Modell liegt es dann allein in der Verantwortung der Hersteller, ihre Produkte funktionstüchtig zu halten, da sie sonst nicht bezahlt werden.

Das IoT wird allmählich immer mehr zu einem festen Bestandteil unseres Alltags. Diese Entwicklung wird dazu führen, dass auch der Nutzen der Vernetzung und der Erfassung von Daten immer offensichtlicher wird. Zurzeit geht man davon aus, dass das industrielle IoT im Jahr 2020 16 Prozent zum globalen Bruttoinlandsprodukt beitragen wird. Außerdem werden Hersteller mehr als 500 Milliarden Dollar ausgeben, um von einer zusätzlichen Kapitalrendite von über einer Billion Dollar zu profitieren. Hier stehen also ziemlich hohe Werte auf dem Spiel.

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