Personalisiertes Putten mit individuell gefertigten Golfschlägern von Sandflo

Von Gary McCormick
Fertigung - 12. Jul 2017 - 5 min-LEKTÜRE
Mit freundlicher Genehmigung von Sandflo Golf Co.

Manche Golfspieler bleiben einem bewährten „Flatstick“ jahrelang treu. Bobby Jones, der größte Sportler der Goldenen Golfära, hatte seine Calamity Jane, einen gebrauchten Putter mit einem Schaft aus Hickory-Holz und angerostetem Kopf. Ben Crenshaw, der während seiner 25-jährigen PGA-Laufbahn als bester Putter der Welt galt, hatte „Little Ben“, einen klassischen Wilson 8802, mit dem er zweimal The Masters und 17 weitere Tourniere gewann. Und wer weiß, eines Tages hat die nächste Golflegende womöglich einen Sandflo, den neuen Stern am Golf-Himmel.

Inspiration und das richtige Werkzeug

Johan Sandflo ist begeisterter Amateur-Golfer und Eigentümer von Sandflo Mekanik, einem Präzisionsfertigungsunternehmen in der schwedischen Stadt Trollhättan, zu dessen Kunden auch Unternehmen aus der schwedischen Luftfahrt- und Automobilindustrie zählen. So war es nur eine Frage der Zeit, bis er seine technischen Fachkenntnisse auch zur Verbesserung seines Golfspiels einsetzen würde.

Portait of Johan Sandflo.
Johan Sandflo. Mit freundlicher Genehmigung von Sandflo Golf Co.

Als Johan Sandflo im Internet nach weniger standardisierten, sondern eher personalisierten Golfschlägern suchte, wurden ihm die Vorteile seine Position bald bewusst. Er konnte mehr tun, als nur an Schlägern herumzubasteln: Er könnte seinen eigenen Schläger herstellen. Dabei konzentrierte er sich auf den einfachsten Schläger in einer Golftasche, der auch den größtmöglichen Spielraum für persönlichen Ausdruck bietet: den Putter.

„Der Putter ist der persönlichste Golfschläger in jeder Tasche“, findet Sandflo. „Wenn es wirklich dein Schläger ist, wird er dir dabei helfen, mehr Putts ins Loch zu befördern.“

Bislang sind die Putter-Designs von Sandflo zumeist Varianten des klassischen Anser-Designs. Erfunden wurde der Anser 1966 vom norwegischen Ingenieur und Gründer der Golfmarke Ping, Karsten Solheim. Als das Patent 1984 auslief, kopierten es Imitatoren sofort, und so wurde das Anser-Design zum geläufigsten Putter-Design der Welt. Es ist eine so einfache wie wirkungsvolle Form, deren maschinelle Fertigung immer noch eine Herausforderung darstellt.

Selbst mit knapp 20 Jahren Berufserfahrung als Mechaniker kann auch ein Profi nicht auf das richtige Werkzeug verzichten. Und als Sandflo nach Testversuchen mit anderen CAD-Produkten schließlich Fusion 360 von Autodesk entdeckte, hatte er auf einen Schlag alle erforderlichen CAM-Funktionen beisammen.

„In meiner hauptberuflichen Tätigkeit bekommen wir bei Auftragsarbeiten normalerweise per E-Mail Zeichnungen und 3-D-Modelle, für die wir dann die geeigneten Werkzeugwege auswählen“, erklärt Sandflo. „Aber wenn es um Golf geht, setze ich auf CAD &CAM, da sich beide so gut ergänzen.“

Johan Sandflo working on one of his designs.
Die Designs von Sandflo erinnern zumeist an das klassische Anser-Blade. Mit freundlicher Genehmigung von Sandflo Golf Co.

Die Entstehung eines personalisierten Putters

Für Sandflo hat die Erfüllung individueller Kundenanforderungen oberste Priorität. Das beginnt bei der Auswahl des Materials für den Schlägerkopf. Die meisten Kunden entscheiden sich wegen der Handhabung und des geringen Wartungsbedarfs für Edelstahl der Güte 303, aber Sandflo hat auch schon Putter aus C-Stahl, Kupfer, Messing, Aluminium, Titan und sogar Holz hergestellt. Außerdem können seine Kunden aus verschiedenen Mustern für die Gestaltung der Schlagfläche wählen und die individuelle Note ihres Putters so noch betonen.

Noch persönlicher lassen sich die Putter durch eine nach Kundenwunsch ausgeführte Gravur gestalten. Die Käufer haben normalerweise schon eine ungefähre Vorstellung von ihrer persönlichen Gravur, aber manchmal kann Sandflo seiner Kreativität freien Lauf lassen.

Als Einstieg in das Fertigungsverfahren zeigt Sandflo einem Neukunden einige von ihm gefertigte Putter und erkundigt sich nach den individuellen Prioritäten des Kunden. „Gelegentlich muss ich da schon ein bisschen auf die Bremse steigen“, meint er. „Auch wenn wir fast alles realisieren können: Manche Ideen sind einfach zu abgedreht.“

Der bislang diffizilste Auftrag? Ein Kunde wünschte sich ein Bild seines Hundes als Gravur auf der Sohle seines neuen Putters. „Nach einigen Bildern und ein bisschen Nachbearbeitung importierte ich eine SVG-Datei mit dem Bild des Hundes, et voilà, der Hund war da“, sagt Sandflo. „Ein ziemlich zeitaufwendiger Auftrag, aber dem Kunden war schon bewusst, dass dieses Einzelstück ein etwas kostspieligerer Putter werden würde.“

Sobald das Design in groben Zügen steht, beginnt Sandflo mit der Arbeit am 3-D-Modell.Weil er dafür eine cloud-basierte Anwendung nutzt, kann er dem Kunden per E-Mail einen Link zum Live-3-D-Modell schicken und sich dazu Feedback einholen. „Damit bietet mir Fusion 360 einen echten Vorteil, denn so habe ich eine smarte und wirklich benutzerfreundliche Möglichkeit, um den aktuellen Stand des Designs zu präsentieren“, findet er.

Steht das endgültige Design mit allen gewünschten Details des Kunden fest, erstellt Sandflo ein fotorealistisches Rendering des Putters und mailt es dem Kunden zur Endabnahme. Daraus entsteht dann ein personalisierter Putter, der die Persönlichkeit des Eigentümers widerspiegelt – das komplette Gegenteil eines Putters von der Stange. „Besonders häufig höre ich von meinen Kunden, dass sie nun mehr Putts versenken, weil es ihnen Selbstvertrauen gibt, mit einem Schläger zu spielen, den sie lieben und an dessen Entstehung sie beteiligt waren“, erzählt er.

A view of the inside of Sandflo Mekanik.
Hinter den Kulissen von Sandflo Mekanik. Mit freundlicher Genehmigung von Sandflo Golf Co.

Lieber klein und persönlich 

Wenn es um „extravagante“, nach Kundenwünschen gefertigte Putter geht, genießt kein anderer Name so viel Ansehen wie Scotty Cameron. Aber auch wenn Sandflo die Marke als Inspiration betrachtet – „Ich finde, wir kleineren Putter-Hersteller haben reichlich Gründe, ihm dankbar zu sein“, so Sandflo –, stellt er sich den Umfang seiner eigenen Unternehmung doch auch weiterhin kleiner vor. Er verkauft seine Putter nicht in Geschäften, sondern stellt lediglich in ein paar örtlichen Golfläden Proben seiner Arbeit aus, um das Interesse der Kunden zu wecken.

„Ich würde mich schon gern noch ein bisschen vergrößern, aber das müsste kontrolliert vor sich gehen“, verrät Sandflo. „Vielleicht expandieren wir ja und gehen in Richtung Serienfertigung, indem wir ca. 100 Stück eines Modells produzieren. Vielleicht bieten wir auch Putter mit kleineren, preisgünstigeren Gravuren an. Das Herzstück des Unternehmens werden aber immer individuell gefertigte Putter sein, die exakt auf die Persönlichkeit ihrer Eigentümer abgestimmt sind.“

„Aktuell habe ich nicht vor, außer Puttern noch andere Schläger herzustellen“, fügt er hinzu. „Wir könnten zwar irgendwelche ‚No name‘-Schläger einkaufen und sie mit unserem Sandflo Golf Co.-Logo versehen, aber das entspräche nicht unserer Vision. Wir wollen immer volle Kontrolle und jeden Schläger selbst anfertigen. So haben wir das Fertigungsverfahren zu 100 Prozent unter Kontrolle, wir können 100-prozentige Qualität und Kundenbetreuung garantieren. Und so bekommen wir 100-prozentige Kundenzufriedenheit.“

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