Es ist Zeit, eine neue Generation von Frauen im Bauwesen zu inspirieren

Von Elizabeth Rosselle
- 5. Jun 2018 - 7 min-LEKTÜRE
women in construction
Die Baubranche war lange Zeit von Männern dominiert, aber es vollzieht sich zurzeit ein starker Wandel. Mit freundlicher Genehmigung von Miron Construction.

Gebaut haben die Menschen schon in der Steinzeit – damals noch mit Steinen als Vorform des Hammers. Mit harten Steinen wurden weichere Steine bearbeitet, der Schmiedeprozess wurde erfunden, man fertigte erstmals Metallnägel und fing an, Bauwerke zu errichten. Rund zwei Millionen Jahre später folgte die Erfindung des Hammerstiels, die Entstehung von Schmiedewerkstätten und Eisenwerken und schließlich die industrielle Revolution. Das war die Geburtsstunde der Bauindustrie, wie wir sie heute kennen. So sehr sich die Branche über die Jahrtausende gewandelt hat, ist sie doch bis heute eine Männerdomäne geblieben.

Obwohl man mit der Baubranche immer noch schwitzende Männer in Schutzhelmen assoziiert, wird die Vorstellung, Bauen sei reine Männersache, zunehmend in Frage gestellt. Zwar ist das Verhältnis von Männern zu Frauen im Baugewerbe nach wie vor sehr unausgeglichen – immerhin zeichnet sich jedoch eine deutliche Verschiebung ab.

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Das von der Firma Miron geleitete Programm „Build Like a Girl“ („Bauen wie ein Mädchen“) soll mit praktischen Projekten an temporären Baustellen das Interesse von jungen Frauen an Bauberufen wecken. Mit freundlicher Genehmigung von Miron Construction.

Bei Miron Construction wird etwas bewegt

Bei diesem Wandel steht das im Jahr 1918 im amerikanischen Staat Wisconsin gegründete Unternehmen Miron Construction an vorderster Front. Pünktlich zum 100. Gründungsjubiläum hat man sich eine Strategie zur Bekämpfung des branchenweiten Fachkräftemangels auf die Fahnen geschrieben, die vorsieht, eine jüngere Generation von Arbeitnehmern, insbesondere Frauen, zum Einstieg in die Baubranche anzuregen und gleichzeitig mit technischen Innovationen zur Sicherung der vielfältigen Zukunft des Wirtschaftszweiges beizutragen.

Als man bei Miron erkannte, dass die klassischen Anwerbungsbemühungen ausgeschöpft waren, beschloss man, mehr für den Einstieg von Frauen in die Branche zu tun. Zurzeit sind in den Vereinigten Staaten nur ca. 9 Prozent (in Deutschland ca. 13 Prozent) der Stellen im Sektor von Frauen besetzt, vorwiegend in Bürotätigkeiten. Im Bauhandwerk liegt der Frauenanteil in den USA sogar nur bei 1,2 Prozent. Um diese Lücke zu schließen, rief Miron unter dem Motto „Build Like a Girl“ ein jährliches Informationsprogramm ins Leben, das Mädchen aus Middle- und High-School (Sekundarstufen I und II) zeigen soll, dass Bauen nicht nur etwas für Jungen ist.

„Build Like a Girl“ lädt junge Frauen ein, die Ärmel hochzukrempeln und an temporären Bauprojekten in der Praxis zu erfahren, worum es in der Bauindustrie und im Handwerk geht. Darüber hinaus führte Miron im Herbst 2017 gemeinsam mit der Firma Miller Electric und der „Talent Collaborative“-Initiative der Handelskammer Fox Cities in Wisconsin die Veranstaltung „Smart Girls Rock!“ durch, die Highschool-Schülerinnen einen Einblick in MINT-Berufe vermittelt. Der digitale Umbruch in der Bauindustrie erschien den Partnern ein günstiger Zeitpunkt, um jungen Frauen MINT-Berufe im Bauwesen näher zu bringen.

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Melissa Schulteis, Spezialistin für virtuelles Bauen bei Miron, führt Teilnehmerinnen von „Build Like a Girl“ verschiedene Bautechniken vor. Mit freundlicher Genehmigung von Miron Construction.

„Build Like a Girl“: Hintergründe und Erfolgsbilanz

Tonya Dittman ist LEED Green Associate bei Miron. Sie erklärt, dass Miron bei Einstellungen eine größere Vielfalt anstrebte und deshalb die andere Hälfte der Bevölkerung – nämlich Frauen – einlud, sich aktiv am Baugeschehen zu beteiligen.

„Jen Bauer [Marketing-Leiterin bei Miron] und unser Vice President of Field Operations waren begeistert von der Idee einer Veranstaltung mit praktischen Aktivitäten“, erzählt Dittman. „Bei ‚Build Like A Girl‘ ging es darum, junge Mädchen über Bauindustrie und Handwerk zu informieren und dafür zu begeistern. ‚Smart Girls Rock!‘ diente dem Wissenstransfer sowie dazu, Mädchen anzuregen, sich für einen der vielen Berufe in MINT-Bereichen wie Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik zu entscheiden“.

Beide Veranstaltungen kamen bei den Teilnehmerinnen hervorragend an. „Bei ‚Smart Girls Rock!‘ waren die Mädchen mit Begeisterung dabei“, berichtet Dittman. „Melissa Schulteis stellte ihre technische Karriere als Spezialistin für virtuelles Bauen bei Miron vor – eine Position, die es vor 10 Jahren noch nicht gab. Gegen Ende der Veranstaltung arbeiteten die Mädchen produktiv zusammen und äußerten beispielsweise überrascht: ‚Ich hätte nie gedacht, dass ich Schweißen wirklich interessant finden würde.‘ Sie verließen die Veranstaltung mit dem Wunsch, mehr zu erfahren – Kommentare reichten von ‚Das hat echt Spaß gemacht‘ bis hin zu ‚Das würde ich gerne mal ausprobieren.‘“

women in construction VPI
VPI verbindet virtuelle 3D-Planungssysteme, Anlagenmodellierung, Laserscannen und Laserausrichtungssysteme, sodass von den Bauunternehmen über die Planer bis hin zu den Auftraggebern das gesamte Team in Echtzeit zusammenarbeiten kann. Mit freundlicher Genehmigung von Miron Construction.

Innovative Technologien fördern Vielfalt und Profitabilität

Neue Technologien sind immer ein attraktiver Anreiz, um jüngere Generationen – unabhängig vom Geschlecht – für die Baubranche anzuwerben. Bei Miron profitiert auch unterm Strich davon. Zur Rationalisierung des Planungs- und Bauprozesses und um Probleme wie Kostenüberschreitungen und technische Störungen infolge falsch kalkulierter Installationen zu vermeiden, entwickelte das Unternehmen eine Methode namens Virtual Process Integration (VPI).

VPI verbindet virtuelle 3D-Planungssysteme, Anlagenmodellierung, Laserscannen und Laserausrichtungssysteme. Mit VPI kann das gesamte Team – von den Bauunternehmen über die Ingenieure bis hin zu den Auftraggebern – in Echtzeit an einem Projekt zusammenarbeiten. Indem alle Beteiligten schon vor dem ersten Spatenstich einen umfassenden Überblick über die Einzelheiten eines Projekts haben, lassen sich Ausfallzeiten und Umsatzeinbußen vermeiden.

Für Auftraggeber mit großen, komplexen Maschinen, wie zum Beispiel in der Zellstoff- und Papierindustrie, erweist sich VPI von unschätzbarem Wert. Diese Maschinen müssen schnell und effizient gebaut und integriert werden, um Produktionsverzögerungen zu verhindern. Für einen Betrieb zum Beispiel, der 1.800 Einheiten pro Minute produziert, ist die Minimierung von Ausfallzeiten beim Austausch von Maschinerie von entscheidender Bedeutung. Für einen anderen Auftraggeber steckte Miron rund acht Monate in die Vorbereitungen für eine sechstägige Installation. Der Einsatz hat sich gelohnt: Das Unternehmen hatte innerhalb weniger Stunden nach Projektabschluss ein verkaufsfähiges Produkt.

Möglich wird dies durch genau die Art innovativer Technologie, die für jüngere Arbeitnehmer so attraktiv ist. Für seine Auftraggeber in Industrie und Produktion nutzt Miron die Software Reality Capture von Autodesk, um mithilfe von Laserscans Punktwolken zu erstellen, die genauere Berechnungen ermöglichen und gleichzeitig die Arbeitsabläufe beschleunigen. „Abgesehen vom Gebäude sprechen wir hier von Maschinen mit einem Wert von zwischen 20 und 100 Millionen Dollar“, sagt Dan Bayer, Director of Virtual Construction bei Miron. „Entscheidend ist dabei sowohl das Verfahren selbst als auch die Platzierung und Genauigkeit, um sicherzustellen, dass alle Maschinen an den richtigen Stellen platziert werden.“

Das heißt, alles muss sowohl perfekt als auch pünktlich installiert werden. „Wenn man den Zeitplan überschreitet, weil etwas nicht passt oder die Installation nicht in der richtigen Reihenfolge abläuft, sind die Kosten für unseren Arbeitsaufwand ein Klacks im Vergleich zum entstehenden Produktionsausfall“, erklärt Dittman.

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Im interaktiven Arbeitsbereich von Ci Lab können Teams mithilfe eines riesigen Wandbildschirms auf verschiedenen Plattformen zusammenarbeiten. Mit freundlicher Genehmigung von Miron Construction..

Neue Kooperationsmodelle für neue Generationen

Ein weiterer starker und technisch interessanter Anreiz für junge Frauen und Männer ist das Construction Innovation (Ci) Lab von Miron.  Das Ci Lab ist ein interaktiver Arbeitsbereich, in dem alle Mitglieder eines Bauprojektteams mithilfe eines riesigen interaktiven Wandbildschirms auf verschiedenen Plattformen zusammenzuarbeiten können.

„Im Ci Lab informieren wir Bauherren über den Ablauf bei der Planung und Errichtung eines Gebäudes“, sagt Bayer. „Das Besondere daran ist, dass man sehr viele Informationen gleichzeitig auf den Bildschirm bringen, mit ihnen interagieren und schneller Entscheidungen treffen kann. Bisher stand meistens ein 2D-Grundriss eines Gebäudes zur Verfügung, von dem man zu einer 3D-Ansicht des Modells wechseln konnte. Hier können wir all diese Informationen gleichzeitig auf den Bildschirm bringen.“

Um ein groß angelegtes Bauprojekt erfolgreich auszuführen, müssen Planungsfirmen, Bauunternehmer und Handwerksbetriebe effizient zusammenarbeiten. Nicht selten ist dabei die gesamte Bandbreite von Nachwuchskräften der Generation Z bis zu kurz vor der Rente stehenden Babyboomern vertreten. Im Ci Lab kommen alle Beteiligten zur Interaktion mit dem Modell zusammen, sodass Entscheidungen effektiver getroffen werden können. „Am 32 Zoll großen Touchscreen können mehrere Personen gleichzeitig interagieren und miteinander kooperieren“, erläutert Dittman.

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Miron setzt sowohl auf Technologie als auch auf Vorbilder, um die nächste Generation von Bauprofis zu inspirieren. Mit freundlicher Genehmigung von Miron Construction.

Geschlechterstereotypen aufbrechen

Dank neuer Technologien erlebt das Bauwesen eine rasante Entwicklung – zu einem Gewerbe, das heute Lichtjahre vom bloßen Hantieren mit Hammer, Nagel und Gerüst entfernt ist. Indem Miron Construction Mädchen durch gemeinsames Engagement und Bildung ein Bewusstsein für die vielfältigen Möglichkeiten der Branche vermittelt, zeigt das Unternehmen jungen Frauen, dass auch sie auf lohnenswerte und innovative Weise zu diesem Wandel beitragen können. Sie können im Bereich des virtuellen Bauens arbeiten und den VPI-Prozess in einer Büroumgebung anwenden, oder sie können die Ärmel hochkrempeln und sich auf der Baustelle schmutzig machen – wie zum Beispiel bei der Überprüfung von 3D-Modellen auf Mobilgeräten.

Die Möglichkeiten in der Branche sind praktisch unbegrenzt. Man kann sicher immer noch einen Schutzhelm aufsetzen und Sand schaufeln, aber es gibt jetzt eine neue, vierte Dimension, die nur darauf wartet, von der nächsten Generation junger Fachkräfte erschlossen zu werden.

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