Das Erfolgsgeheimnis von Catapult Design: Geduld und Einsatz innovativer Technologien

Von Timothy A. Schuler
- 28. Jul 2016 - 5 min-LEKTÜRE
Für das Sozialunternehmen Wello hat Catapult Design die Wassernutzung im indischen Bundesstaat Rajasthan erforscht. Mit freundlicher Genehmigung von Noel Wilson.

Jeder wird es bestätigen: Durch Technologien wie E-Mail und Mobilfunk hat sich das ohnehin bereits hohe Tempo des modernen Lebens noch beschleunigt, sodass heute alles ohne Verzögerung passieren muss und sofortige Belohnungen verlangt werden.

Hypervernetzte“ Menschen könnten die Fähigkeit zur Geduld verlieren, warnt das Pew Research Center. Der Psychologe Philip Zimbardo bezeichnet den ständigen Drang zur Nutzung sozialer Medien als „Gegenwartshedonismus“ und schreibt, die übermäßige Abhängigkeit von Technologie führe zu einer veränderten Zeitwahrnehmung.

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Catapult Design war im indischen Bundesstaat Rajasthan, um das Wassertransportsystem WaterWheel von Wello zu verbessern. Mit freundlicher Genehmigung von Noel Wilson.

Das Internet und andere Technologien versetzen Menschen in die Lage – oder zwingen sie womöglich sogar dazu –, schneller zu arbeiten und zu kommunizieren. Trotzdem seien Geduld und die Nutzung innovativer Spitzentechnologie durchaus miteinander vereinbar, argumentiert Noel Wilson, Creative Director von Catapult Design. Nach seinen Worten sind Designer sogar gleichermaßen auf beides angewiesen, vor allem, wenn sie im Bereich sozialer Innovationen tätig sind, wo jeder Cent zählt und es nicht um höhere Gewinnmargen, sondern um mehr Lebensqualität geht.

Catapult Design ist ein gemeinnütziges Unternehmen, das Dienstleistungen im Bereich Planung und Design anbietet und sich dabei vor allem auf Projekte mit begrenzten Ressourcen in Entwicklungsländern wie Ghana konzentriert. Zusammen mit dem westafrikanischen Produktanbieter Burro und der Bill & Melinda Gates Foundation arbeitet Wilson an der Entwicklung sichererer dezentraler Anlagen zur Lebensmittelverarbeitung; genutzt werden sie zur Herstellung von Gari, einem Couscous-ähnlichen Produkt aus der Maniokwurzel, das in Westafrika zu den Grundnahrungsmitteln zählt.

Weitere Projekte von Catapult sind: die Entwicklung von Solarlaternen und solaren Inselanlagen für Familien abseits des Stromnetzes in Kenia in Zusammenarbeit mit One Degree Solar, Handwaschanlagen in Zusammenarbeit mit Innovations for Poverty Action (ebenfalls in Kenia), Wassertransport- und Speichertechnik mit Wello in Indien sowie eine Initiative zur Förderung des Unternehmertums im Reservat Navajo Nation.

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Ein mittels 3D-Druck produzierter, maßstabsgetreuer Prototyp des verbesserten WaterWheel. Mit freundlicher Genehmigung von Noel Wilson.

Das in Denver ansässige Unternehmen arbeitet stets mit lokalen Partnern zusammen, die in den Gemeinschaften und Zielmärkten für seine Projekte verwurzelt sind und Vertrauen genießen. Von 2012 bis 2014 hat Wilson mindestens 12 Monate in Indonesien verbracht, um dort mit lokalen Partnern und Unternehmern an der Verbesserung des Zugangs zu Technik für erneuerbare Energie in abgelegenen Ortschaften zu arbeiten.

Catapult Design ist unter anderem wegen seines speziellen Ansatzes erfolgreich: Er ist nicht weniger streng als die iterativen Prozesse, die bei großen Designfirmen zum Beispiel im Silicon Valley zum Einsatz kommen, bleibt aber flexibel genug, um mit den vielen unterschiedlichen Organisationen, Bürokratien und Kontexten zurechtzukommen, die das Unternehmen mit neuen Entwürfen unterstützt.

„Stärker als jedes Designdogma unterscheidet uns meiner Meinung nach die Tatsache, dass wir überhaupt Designarbeit für Organisationen leisten, die ansonsten nicht mit Designern zusammenarbeiten könnten“, sagt Wilson. Dringender als unbegrenzte Budgets oder patentierte Prozesse brauchten Designer und ihre Kunden in der Welt von heute vor allem eines: Geduld. „Geduld hinsichtlich Iterationen und Innovationen ist – gerade an Orten, wo sich lange nichts verändert hat – ungeheuer wichtig.“

Das Unternehmen achtet sehr darauf, frühzeitig eine realistische Zeitplanung aufzustellen, und legt seinen Kunden ans Herz, einen Teil ihres Budgets für Prototypen, Pilotversuche und langfristiges Monitoring vorzusehen. „Bei einem Produkt kann man die wahren Vorteile in vielen Fällen erst nach einigen Jahren feststellen“, erklärt Wilson. „Für viele Menschen ist das echt schwierig zu akzeptieren.“

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Eine Konzeptskizze zu der Handwaschstation, die Catapult Design für Poverty in Action in Kenia entworfen hat. Mit freundlicher Genehmigung von Noel Wilson.

Auch hier gilt: Der Prozess erfordert Geduld, die nicht jedem von Natur aus gegeben ist. „Auch ich will Ergebnisse sehen“, gibt Wilson zu. „Ich bin selbst ziemlich ungeduldig.“ Doch er habe sich selbst beigebracht, geduldig zu sein, indem er eine gewisse Distanz wahre.

„Man muss Leidenschaft für ein Projekt haben, darf aber nicht davon besessen sein, also nicht zu ungeduldig bei seinem Fortschritt werden“, sagt er. „Man muss in der Lage sein, anderen Leuten die Kontrolle über etwas zu überlassen. Man muss etwas den Herstellern übergeben, die dann Änderungen daran vornehmen. Man muss es den Kunden übergeben, die ebenfalls Änderungen vornehmen. Man hat nicht die Kontrolle über das Produkt – man kann nur auf dem Weg dorthin etwas Einfluss ausüben.“

Dieselben Faktoren, die Geduld so klar zu einer Tugend machen, bedeuten auch, dass Technologie unverzichtbar ist. „Wir haben kleine Budgets und große Ideale. Also muss unser Prozess so effizient sein wie möglich“, sagt Wilson. Eine zunehmende Rolle spielen dabei neuartige Produktionsmethoden wie Rapid Prototyping und Designsoftware wie Autodesk Inventor und Autodesk Fusion 360. „In fünf Jahren werden wir nicht mehr verstehen, wie die Welt ohne solche Werkzeuge ausgekommen ist“, sagt Wilson.

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Die erste Iteration der weiterentwickelten Prototypen für Handwaschstationen in Kenia im Test. Mit freundlicher Genehmigung von Noel Wilson.

Mit Methoden wie 3D-Druck (der einst als Science-Fiction oder zumindest teurer Luxus angesehen wurde) können die Designer von Catapult schneller und deshalb effektiver arbeiten. „3D-Druck ermöglicht sogar mehr Iterationen, weil man damit rasch Prototypen herstellen kann und rasch etwas bekommt, das die Leute als real empfinden“, so Wilson. Allerdings ist das ein zweischneidiges Schwert. Wenn Prototypen zu real aussehen, sagt Wilson, verlören Kunden leicht das Interesse an weiteren Iterationen.

Seit Anbeginn ihrer Geschichte musste die Menschheit anpassungsfähig für neue Technologien sein; für die Entwicklungsländer mit ihrem rapiden Bevölkerungszuwachs ist dies heute wichtiger als je zuvor. „Zum Teil liegt die Lösung für diese Probleme darin, neue Technologien zu verstehen“, erklärt Wilson. „Besonders spannend ist das, wenn man an generative Gestaltung denkt: Wir haben schon fast ein Niveau erreicht, auf dem künstliche Intelligenz dabei helfen kann, Alternativen vorzuschlagen, auf die wir selbst nicht gekommen wären.“ Noch hat er künstliche Intelligenz nicht in sein Arbeitsverfahren integriert. Bis es soweit ist, bietet Catapult Design jedoch reichlich Alternativen, die für die Bevölkerung von Entwicklungsländern rund um die Welt von Bedeutung sind.

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