Was treibt Sie an? Als Ingenieur nachhaltig motiviert bleiben

Von Amy Bunszel
- 30. Jan 2018 - 5 min-LEKTÜRE
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Was bewegt Sie jeden Morgen dazu, voller Energie aus dem Bett zu springen und ins Büro zu düsen? Wieso machen Sie gerne mal Überstunden, wenn es darum geht, ein besonders schwieriges Problem zu lösen? Woher nehmen Sie Ihre Energie bei der Arbeit? Kurz gefragt: Was treibt Sie an?

Ich finde es immer wieder faszinierend, woher die Leute ihre Motivation nehmen – ganz besonders Ingenieure. Ich rede hier nicht von banaler Neugierde: Als Führungskraft ist es meine Aufgabe, zu verstehen, was mein Team antreibt. Hier bei Autodesk beschäftigen wir ein breites Spektrum an Mitarbeitern, die allesamt talentiert und engagiert, aber dennoch sehr unterschiedlich sind. Dass es hier Interessantes zum Thema Motivation zu entdecken gab, lag auf der Hand.

So viel ist sicher: Motivationsgründe variieren nicht nur von Person zu Person, sondern auch von Branche zu Branche. Manche meiner Kollegen arbeiten am liebsten an Projekten, denen besondere Beachtung geschenkt wird. Es ist aufregend, wenn die eigene Arbeit von Führungskräften bei Kundenmeetings oder wichtigen Events erwähnt wird. Doch für jedes anerkannte Projekt bleiben Dutzende unerwähnt. Sie müssen unter Umständen ganz schön lange darauf warten, bis Ihre Arbeit vor einem Publikum gelobt wird – offensichtlich ist das also kein guter Motivationsgrund. Daher müssen Sie Ihren Antrieb anderorts suchen.

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Die Wissenschaft der Motivation

Früher näherten sich Unternehmensleiter dem Thema Motivation üblicherweise auf Grundlage des veralteten extrinsischen Modells der Bestrafung und Belohnung, auch als „Zuckerbrot und Peitsche” bekannt. Vierzig Jahre solider Forschung haben jedoch gezeigt, dass extrinsische Belohnungen Mitarbeiter in der Regel nicht motivieren – das gilt insbesondere für Aufgaben, die Kreativität und kognitive Anstrengung erfordern. Der Zuckerbrot-und-Peitsche-Ansatz mag bei langweiliger Routinearbeit funktionieren, für die meisten Aufgaben bedarf es jedoch intrinischer Motivation.

Die Unternehmenswelt ist dieser Einsicht bisher nur bedingt gefolgt. Doch 2009 veröffentlicht Daniel Pink sein Buch „Drive: Was Sie wirklich motiviert”. Darin geht Pink darauf ein, was die moderne Psychologie Unternehmen und ihren Mitarbeitern – insbesondere kreativen Problemlösern – über intrinsische Motivation beibringen kann. Er unterscheidet drei wichtige Motivationsfaktoren: Selbstbestimmung, der Wunsch, frei und nach eigenem Ermessen zu arbeiten; Perfektionierung, das Bedürfnis, die eigenen Fähigkeiten zu verbessern; und Sinnerfüllung, der Wunsch, etwas von Bedeutung zu tun, das einen Zweck erfüllt.

Pink warnt seine Leser: Unternehmen, die nur auf Profit bedacht sind, ohne Wert auf den Sinn ihrer Arbeit zu legen, haben einen schlechten Kundendienst und unglückliche Mitarbeiter.

Die Suche nach Motivation

Sie fragen sich vielleicht, was mich persönlich motiviert. Ich hatte bisher das Glück, im Laufe meiner Karriere eine Reihe verschiedener Jobs mit unterschiedlichen Motivationen ausprobieren zu dürfen. Ich habe hochinnovative Projekte geleitet und auch an solchen gearbeitet, die manche als todlangweilig bezeichnen würden – aber ich konnte immer selbstbestimmt arbeiten und habe Millionen von Kunden geholfen. Unabhängig vom jeweiligen Projekt habe ich meine Arbeit immer gemocht und war motiviert, mein Bestes zu geben.

Dennoch hat mir das Gefühl, dass meine Arbeit einen Sinn und Zweck erfüllt, stets am meisten Motivation geschenkt. Ganz egal, wie viele Kunden ich hatte, habe ich es schon immer als aufregend empfunden, für etwas verantwortlich zu sein, auf das sich Kunden verlassen.

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Wenn Sie verstehen, was Sie tief im Inneren motiviert, können Sie leichter herausfinden, welche Art von Arbeit Ihnen gefällt. Ihre intrinsischen Motivationsquellen helfen Ihnen, zu entscheiden, ob Sie lieber Teil eines neuen Abenteuers mit gewissen Risiken (wie etwa Google Glass) sein oder an einem etablierten Produkt mit großer Reichweite (wie etwa der Google-Suche) arbeiten möchten. Apple Watch oder iPhone? Solarenergie oder herkömmliches Elektrizitätswerk? Die Liste der Beispiele ist endlos und letzten Endes sorgen sowohl neue als auch etablierte Unternehmen für Innovationen.

Drei zweckorientierte Kategorien

Ich teile Motivation in drei separate Kategorien ein, je nachdem, welcher der folgenden Zwecke ihr zugrunde liegt: das Eröffnen neuer Lösungswege, das Vermindern von Problemen oder die Zusammenarbeit im Unternehmen. Kollegen, die in die erste Kategorie fallen, werden von dem Wunsch angetrieben, neue Wege zu beschreiten, indem sie an innovativen Produkten und Funktionen arbeiten, die Kunden neue Möglichkeiten bieten. Ich kenne selbst kreative Köpfe, die völlig neue Unternehmenserfolge mit neuartigen, innovativen Produkten erzielen konnten, die dank ihrer einzigartigen Flexibilität und Anwenderfreundlichkeit hervorragend bei den Kunden ankamen. Und auch viele meiner Kollegen empfinden es als bereichernd, Tools zu entwickeln, die solchen Unternehmern beim Innovieren helfen.

Personen in der zweiten Kategorie helfen Kunden am liebsten bei der Lösung oder Vorbeugung von Problemen, indem sie ihre Workflows optimieren. Auf den ersten Blick mag diese Art von Arbeit vielleicht nicht ganz so glamourös wie das Entwickeln völlig neuer Produkte erscheinen, doch auch solche Projekte können sich für Kunden als bahnbrechend erweisen und weit über den Nutzen eines neuen Tools hinausgehen. Ganz egal, ob unser Team unsere Software anpasst, um die Zeichenfunktion zu verbessern oder unnötige Schritte zu vermeiden – manche meiner Kollegen lieben es einfach, ein Produkt so effizient wie möglich zu gestalten, um Kunden ein besseres Nutzererlebnis zu bieten.

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Ingenieure der dritten und letzten Kategorie beziehen ihre Motivation daraus, mit anderen Mitarbeitern des Unternehmens als Teil eines größeren Teams zusammenzuarbeiten. Die wenigsten Projekte sind erfolgreich, wenn nur ein einziges Team isoliert daran arbeitet. So setzen sich unsere Ingenieure zum Beispiel mit Kollegen aus der Finanz-, Kundendienst- oder Marketingabteilung zusammen, um unterschiedliche Probleme zu lösen. Erfolg durch Zusammenarbeit kann enorme Auswirkungen haben, da in diesem Zusammenhang entstandene Lösungen wesentlich mehr Kunden erreichen als eine einzelne Produktfunktion.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, über Motivationsgründe nachzudenken und diese einzuordnen. Aber wenn Sie den passenden „Treibstoff“ erst einmal finden, haben Sie garantiert mehr Spaß bei der Arbeit. Also, was treibt Sie an? Die Möglichkeit, selbstbestimmt zu arbeiten, der Wunsch nach Perfektionierung bestimmter Fähigkeiten oder die Absicht, Teil von etwas Größerem zu sein? Inwiefern kann sich dies an Ihrem konkreten Arbeitsplatz oder im Laufe Ihrer gesamten Karriere ausdrücken?

Fragen dieser Art faszinieren mich sowohl auf persönlicher als auch auf beruflicher Ebene. Eine möglichst genaue Kenntnis der eigenen Antriebsgründe ist eine der Zutaten für eine bereichernde Karriere. Es hat mir schon immer die Arbeit versüßt, meine eigenen Motivationsquellen zu erkunden und mit hochmotivierten Kollegen zusammenzuarbeiten. So wirkt Arbeit gleich weniger wie Arbeit, man geht auch die größten Herausforderungen gelassener an und freut sich umso mehr über Erfolge.

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