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Der ehemalige Chef von Autodesk erklärt die Zukunft der Fertigung

The Economist

Geschäftliche Prioritäten in der Produktentwicklung

Brain Scan: Carl Bass

Der ehemalige Chef von Autodesk erklärt die Zukunft der Fertigung

„Vom Anbruch eines ‚goldenen Zeitalters der Materialien‘ würde ich noch nicht sprechen“, meint Carl Bass. „Aber wir befinden uns wahrscheinlich in einer Goldrauschphase.“ Und was Carl Bass am Horizont auftauchen sieht, ist eine vollkommen neue Art, wie wir Materialien einsetzen und Dinge herstellen.

Es gehört zu den Aufgaben des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Autodesk, einem der führenden Anbieter von CAD-Software, sich mit der Zukunft der Fertigungsindustrie zu beschäftigen. Aber ganz seiner Persönlichkeit entsprechend tut er dies mit der Natürlichkeit und Hemdsärmeligkeit von jemandem, der mit Meißel und Schweißgerät genauso gut umgehen kann wie mit hochspezialisierter Konstruktionssoftware.

Das Programm, mit dem Autodesk berühmt geworden ist – AutoCAD –, ist integraler Bestandteil von Softwaresammlungen, mit denen Dinge entwickelt und gebaut werden wie der kürzlich fertiggestellte 128-stöckige Shanghai Tower (das höchste Gebäude Chinas), Brücken, Straßen, die Elektroautos von Tesla, die Ölplattformen von Statoil, Uhren, Schuhe, Kinofilme und Videospiele. Allen diesen Dingen gemeinsam ist die Notwendigkeit, sie in hochauflösender Grafik darzustellen und zu bearbeiten. Heutzutage werden immer mehr Produkte zunächst virtuell und dann erst physisch entwickelt.

Die Software von Autodesk und ähnlichen Anbietern dient auch zum Testen von Prototypen und Produktionsabläufen. Da die Simulationsergebnisse bereits lange vor der tatsächlichen Herstellung eines physischen Produkts ausgewertet werden können, verkürzt dies die Entwicklungszeiträume und senkt die Entwicklungskosten.

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„Zusammen mit neuen Entwicklungen bei Werkzeugmaschinen wurden mit CAD-Software große Fortschritte bei der Fertigung mit herkömmlichen Materialien erzielt“, sagt Carl Bass. Aber bei den neuen Materialien steht noch ein langer Weg bevor: „Mit Stahl und Aluminium können die Leute gut umgehen, aber mit Materialien wie Carbon sieht es weniger gut aus.“ Viele Unternehmen befinden sich immer noch in einer Phase, die Carl Bass als „schwarzes Aluminium“ bezeichnet: Sie entwickeln Teile, als ob sie sie aus Aluminium herstellen würden, und fertigen sie stattdessen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, ohne die typischen Eigenschaften des jeweiligen Materials zu berücksichtigen oder die spezifischen Vorteile zu nutzen, die das Material bietet.

„Konstruktionssoftware der neuesten Generation berücksichtigt auch Materialeigenschaften, was Entwicklern erlaubt, in Simulationen mit neuen Fertigungsmethoden und Materialien zu experimentieren“, erklärt Carl Bass: „Je öfter und umfangreicher Sie ein Material digital simulieren, desto besser wird Ihr Gefühl dafür, wie Sie es einsetzen können.“

Mit neuen Verfahren wie dem 3D-Druck sind die Möglichkeiten um ein Vielfaches gestiegen, da jetzt auch Formen realisiert werden können, die bisher unmöglich waren. Als Beispiel nennt Carl Bass komplexe Strukturen im Inneren von Volumenkörpern. Trotz dieser Vorteile glaubt er jedoch nicht, dass der 3D-Druck herkömmliche Fertigungsverfahren gänzlich verdrängen oder in jeden Haushalt Einzug halten wird. In vielen Fällen ist der Mittelweg der beste, eine Kombination aus herkömmlichen Umformungsverfahren, subtraktiven Fertigungsverfahren und der neuen additiven Fertigung.

Nach seinem Studium an der Cornell University (und vielen Stunden Boots- und Möbelbau nebenher) gründete Carl Bass 1981 zusammen mit Kollegen eine Computergrafikfirma, die 1993 von Autodesk übernommen wurde. Er verließ Autodesk 1999, um ein Online-Unternehmen zu gründen, und kehrte 2006 als CEO zurück. Seine Rückkehr fiel in eine Zeit des Umbruchs, gekennzeichnet durch den Übergang von zweidimensionaler Zeichensoftware zu 3D-Konstruktionssystemen.

Bis vor kurzem führte Carl Bass sein Unternehmen durch eine weitere Phase des Umbruchs, weg vom Verkauf von Dauerlizenzen und hin zu einem Modell von Softwareabonnements. Diese Umstellung sorgt für einige Unruhe unter Investoren, die kurzfristige negative Auswirkungen auf die Umsatzzahlen befürchten. Gleichzeitig wird ein Großteil der Software in die Cloud verlagert. An die Stelle hoher einmaliger Anschaffungskosten tritt so ein laufzeitbasierter „Pay as you go“-Dienst, der den Nutzern Zugang zu einer weit größeren Vielfalt von Softwaretools eröffnet. Dies ist eine tiefgreifende Änderung, aber für Carl Bass besteht kein Zweifel, dass dies der richtige Weg ist.

Eine weitere Neuerung unter Carl Bass war die Erweiterung des Angebots um Design- und Konstruktionssoftware für den Consumer-Markt, etwa mit SketchBook, dessen Basisversion kostenlos ist. Außerdem liefert Autodesk Gratissoftware an Schulen und Universitäten. Autodesk betreibt zudem eine Website namens Instructables, auf der sich Hobbybastler darüber austauschen, wie man Dinge baut. Mit 30 Millionen Besuchen monatlich ist die Website sehr beliebt. Carl Bass hat immer noch seine eigene Werkstatt. Vor kurzem rüstete er einen elektrischen Gokart, den er gemeinsam mit seinem Sohn Willie gebaut hat, mithilfe einer Drohnensteuerung zum Selbstfahrer um.

Dank Aktivitäten wie diesen genießt Carl Bass beinahe Kultstatus in der im Umfeld des Silicon Valley entstandenen „Maker“-Kultur, einer bunten Bewegung von Heimwerkern, Künstlern und kreativen Bastlern, die mittlerweile die halbe Welt erobert hat. Zu Anfang hatte er den „Makers“ gegenüber Vorbehalte. In erster Linie weil sie so taten, als hätten sie alles selbst erfunden. „Ein paar Hipster wachten 2007 eines Morgens auf und nannten sich „Makers“, ganz so, als wären sie die ersten, die jemals etwas gemacht hätten.“ Trotzdem aber meint er: „Ich finde es toll, dass Millionen Leute ihre Computer zuklappen und Dinge mit ihren Händen bauen.“

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