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CAD MANAGER CENTER

Leitfaden für CAD-Manager zur erfolgreichen Durchführung von Softwaretests

Robert Green

Dieser Artikel wurde von den Cadalyst-Redakteuren geschrieben. Dieses Magazin mit zugehöriger Website bietet Software- und Hardwareinformationen sowie Ratschläge und Tipps für CAD-Manager und -Anwender. Die Veröffentlichung an dieser Stelle erfolgt mit Genehmigung des Herausgebers.

Angenommen, in Ihrem Unternehmen wird die Bereitstellung neuer CAD-Werkzeuge erwogen – ist es dann nicht sinnvoll, die Software umfassend zu testen, bevor sie im gesamten Unternehmen eingeführt wird? Ganz sicher! Aber wie genau sollte ein solcher Test ablaufen?

In diesem Whitepaper stelle ich meine bewährten Verfahren für Softwaretests vor – die Schritt-für-Schritt-Liste verdeutlicht, wie Sie zu einem umfassenden, kontrollierten und erfolgreichen Testprozess gelangen. Betrachten Sie die Testbereitstellung als Generalprobe für die nachfolgende reale Implementierung. Sie werden erstaunt sein, wie viel Sie aus der Testbereitstellung lernen können. Legen wir also los!

Schritt 1: Richten Sie eine Testinfrastruktur ein.

Wenn Sie den mit einem Softwaretest verbundenen Aufwand in Kauf nehmen, sollten Sie nicht nur die Software selbst testen, sondern alles, was mit der Softwareausführung in Zusammenhang steht. Setzen Sie dieselben Netzwerksysteme, Verzeichnisse und Standards ein, die auch im Produktionsmodus verwendet werden – so nehmen Sie nicht nur eine Fehlerbehebung bei der Software vor, sondern emulieren auch die tatsächliche Arbeitsumgebung.

 

Zum Aufbau der Testinfrastruktur ist mindestens Folgendes erforderlich:

 

  • Erwerben Sie Softwaretestversionen bzw. -lizenzen.
  • Legen Sie die erforderlichen Netzwerkordner an, und richten Sie die passenden Berechtigungen ein.
  • Organisieren Sie standardbezogene Dateien, beispielsweise Vorlagen, Familien und Inhaltsbibliotheken.
  • Skizzieren Sie Archivierungs- bzw. Projektverzeichnisse.
  • Stellen Sie Schulungsmaterialien zusammen, um Unterstützung für Ihre eigene Arbeit und auch für Ihre Anwender zu haben.

 

Da die Software im Testmodus ausgeführt wird, ist es schlicht unmöglich, gleich alles perfekt einzurichten – Pannen und Probleme sind beim Testen unvermeidlich. Sie haben jedoch die Möglichkeit, bei der Software schnell den Produktionsstandard zu erreichen.

Schritt 2: Legen Sie ein Testgelände an.

Luftfahrtunternehmen nutzen Testgelände, um Konstruktionen unter realen Bedingungen zu testen, bevor das erste Flugzeug an einen Kunden ausgeliefert wird. Das Testgeländekonzept unterstützt schnelle und dennoch umfassende Tests in einer kontrollierten Umgebung. Ingenieure haben dabei die Möglichkeit, Fehler anhand der Rückmeldungen von Testpiloten frühzeitig zu erkennen und die Konstruktion zu aktualisieren.

 

In einem CAD-Kontext ist das Testgelände einfach eine Gruppe von Testanwendern – ich nenne sie Testpiloten. Diese Testpiloten führen bei der neuen Software einen umfassenden kontrollierten Test durch, um herauszufinden, bei welchen wichtigen Funktionen noch Arbeit erforderlich ist, beziehungsweise welche Aspekte gut funktionieren und welche nicht. Für mich ist das Testgelände mehr als nur ein Ort zum absichtlichen Crashen und Debuggen der Software – es ist eher ein Mittel zum Überprüfen der Installationsbereitstellungen, Ändern der Standardarbeitsprozesse, Aktualisieren der Standards, Ausarbeiten von Schulungsstrategien und Maximieren der Anwenderkenntnisse. Kurz gesagt: Es ist der Ort für die Kampferprobung der neuen Software und für die Vorbereitung auf die Implementierung. Sollte die Testversion letztlich nicht den Anforderungen Ihres Unternehmens entsprechen, ist das Testgelände der ideale Ort, um das zu erkennen – sicher erheblich besser, als ein gescheiterter Test unter Beteiligung von viel mehr Anwendern.

Schritt 3: Wählen Sie Ihre Testpiloten aus.

Das Testgelände ist immer nur so gut wie die von Ihnen eingesetzten Testpiloten. Erfolgreiche Testpiloten zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

 

  • Sie haben den starken Wunsch, den Umgang mit der neuen Software zu erlernen.
  • Sie bleiben auch unter Druck ruhig.
  • Sie können Probleme klar kommunizieren.
  • Sie haben Ausdauer und Durchhaltevermögen.

 

Softwaretestpiloten sind besondere Anwender – ihnen ist klar, dass sie neue Werkzeuge ausprobieren, die mit Herausforderungen verbunden sind, und dass es möglicherweise auch zu Abstürzen kommen kann. Dennoch freuen sie sich, an der Vorbereitung der Software auf den Produktionseinsatz beteiligt zu sein.

 

Wenn ich ein paar Testpiloten mit diesen Eigenschaften habe, kann ich auf jeden Fall eine neue CAD-Software evaluieren und erfolgreich zum Einsatz bringen. Ohne solche Testpiloten muss ich die neue Software für die Gesamtheit meiner Anwender freigeben – viele von ihnen brechen wahrscheinlich in Panik aus, wenn sie mit etwas konfrontiert werden, das nicht gleich auf Anhieb perfekt funktioniert. Kommt Ihnen das gerade beschriebene Szenario bekannt vor?

 

Geben Sie es zu: Sie wissen jetzt schon, wer Ihre Testpiloten sein werden, nicht wahr?

 

Anmerkung: Viele CAD-Manager, besonders in kleineren Unternehmen, könnten versucht sein, allein als Testpilot für Software zu fungieren. Ich rate von dieser Vorgehensweise ab, sofern dies nicht die einzige realistische Option ist. Rückmeldungen von mindestens einem anderen Anwender sind unverzichtbar, wenn es darum geht, Probleme mit einer Software vor der Bereitstellung für die Produktion zu erkennen.

Schritt 4: Erstellen Sie eine isolierte Produktionsumgebung.

Bei Ihren Testpiloten sollten alle Softwareprogramme und individuellen Einstellungen immer so konfiguriert sein, dass die Systeme wieder auf die standardmäßigen CAD-Werkzeuge zurückgesetzt werden können, wenn dies aufgrund der Gegebenheiten des Projekts erforderlich ist. (Sie können sich das wie einen Schleudersitz vorstellen, der den Ausstieg aus dem neuen CAD-Werkzeug ermöglicht, wenn anderenfalls ein Projektabsturz bevorsteht.)

 

Zudem sollten Sie das Testgelände isolieren, sodass nur eine kleine Auswahl von Projekten unter Verwendung der experimentellen Software durchgeführt wird. Die neue Software soll sich bei der Arbeit an einem laufenden Projekt bewähren; gleichzeitig soll aber das Risiko für den Fall von eventuellen Datenbeschädigungen, Versionskonflikten oder anderen unvorhergesehenen Schwierigkeiten gering bleiben.

 

Ein letzter Aspekt: Richten Sie das Testgelände für die Bereitstellung der neuen Software genau entsprechend dem Einsatz in einer Produktionsumgebung ein, sodass Sie das Debugging der Installationsdateien und des Netzwerks gleichzeitig mit dem Software-Debugging durchführen können.

Schritt 5: Befragen Sie Ihre Testpiloten.

Kontaktieren Sie Ihre Testpiloten während der Evaluierung der Testversion, und bemühen Sie sich, aus den Erfahrungen der Testpiloten zu lernen. Stellen Sie immer die folgenden Fragen:

 

  • Welche Probleme sind aufgetreten?
  • Welche Symptome sind aufgefallen, als es zu den Fehlern kam?
  • Was war verwirrend, und was hat gut funktioniert?
  • Was würde die Software benutzerfreundlicher machen?
  • Wie würden Sie Ihre Erfahrungen gegenüber anderen Anwendern erläutern?

 

Bei einer solchen Nachbesprechung – dem Debriefing – in Testgeländeumgebungen lassen sich mit diesem Verfahren am schnellsten präzise Rückmeldungen von Anwendern einholen. Die auf diese Weise zusammengetragenen Informationen sind nicht nur beim Debuggen der Software hilfreich, sondern auch beim Erstellen von Schulungsmaterialien für die Anwender, bei denen die Software schließlich in der Produktion zum Einsatz kommt. Machen Sie sich bei den Nachbesprechungssitzungen detaillierte Notizen, um die Informationen später zu Referenzzwecken abrufbereit zu haben.

Schritt 6: Optimieren, iterieren und wiederholen Sie.

Da Ihnen nun die Rückmeldungen der Testpiloten vorliegen, ist es an der Zeit, die Software entsprechend anzupassen, die vorgenommenen Änderungen für Schulungszwecke zu dokumentieren, das Testgeländeumfeld nach Bedarf zu justieren – und dieses Verfahren dann zu wiederholen! Jede Iteration des Prozesses sollte reibungsloser ablaufen als die vorherige. Nach und nach verbessern Sie so Ihre Testbereitstellung bis zu dem Punkt, bei dem Ihre Testpiloten sich darüber einig sind, dass die Software nun einsatzbereit ist.

 

Möglicherweise besteht die Versuchung, den Bereitstellungsprozess durch Umgehung zusätzlicher Tests zu beschleunigen – denken Sie aber daran, dass die Software mit jeder Iteration erheblich benutzerfreundlicher wird und die Anwender so auch von einer einfacheren Einarbeitung profitieren. Mehr Testpiloteneinsätze zahlen sich später in Form von weniger Schulungszeit aus.

Schritt 7: Würdigen Sie die Arbeit Ihrer Testpiloten.

Je mehr Fortschritte Sie bei Ihrer Testbereitstellung machen, umso größer wird unvermeidlicherweise auch die Aufregung im Büro. Jetzt ist es an der Zeit, die Testpiloten öffentlich zu loben: Machen Sie darauf aufmerksam, dass die Testpiloten fleißige, intelligente, talentierte Anwender sind, die das Unternehmen beim Fortschritt mit neuer Technologie unterstützen. Sie etablieren damit eine Kultur, die Anwender anregt, es den Testpiloten gleichzutun. Wäre es nicht gut, wenn alle CAD-Anwender im Unternehmen die Leistungen Ihrer aktuellen Testpiloten anstreben würden? Das Implementieren neuer CAD-Werkzeuge und das Durchführen entsprechender Schulungen wären für Sie sicher erheblich unkomplizierter, wenn jeder die Mentalität eines Testpiloten hätte.

Umgang mit auf eigene Faust durchgeführten Softwaretests

Gibt es bei Ihnen Anwender, die gern eigene, individuelle Softwaretests durchführen? Einige Anwender stoßen vielleicht zufällig auf bestimmte Werkzeuge und laden diese dann herunter, andere Anwender hören eventuell etwas von einem Werkzeug, das Sie gerade evaluieren, und starten dann außerhalb Ihres strikt kontrollierten Testgeländes eigene Versuche damit. Eigentlich ist es schön, wenn die Anwender daran interessiert sind, neue und bessere Werkzeuge für die zu erledigenden Aufgaben zu finden. Derartige Tests auf eigene Faust verursachen mitunter aber mehr Probleme, als man sich bei oberflächlicher Betrachtung vorstellen würde. Verschiedene Beispiele dafür:

 

  • Höhere Belastung der CAD-Manager. Die zahlreichen Fragen und Probleme, die bei nicht autorisierten Tests unvermeidlich aufkommen, lenken Sie ab und führen dazu, dass Sie für die kontrollierten Tests und Ihre übrigen Prioritäten weniger Zeit haben.

 

  • Abweichung von Standards. Wenn die Möchtegern-Testpiloten Arbeitsverfahren vorschlagen, die nicht mit den bestehenden Unternehmensstandards in Einklang stehen, müssen Sie am Ende gegebenenfalls die dadurch entstehenden Probleme lösen.

 

  • Mehr Fehler. Beim Betrieb in einer unkontrollierten Umgebung kann es dazu kommen, dass die auf eigene Faust testenden Anwender versehentlich Projektdateien überschreiben, Versionierungsprobleme verursachen oder auf andere Weise Schäden an Unternehmensdaten hervorrufen. Derartige Fehler verursachen hohe Kosten, obwohl sie nicht böswillig entstehen.

 

  • Zusätzlicher Aufwand. Der kontrollierte Test einer neuen Software ist ohnehin schon mit zeitlichem Mehraufwand verbunden – wenn sich dann noch Möchtegern-Testpiloten ins Getümmel stürzen, können Budget und Produktivität merklich leiden. Um die Testkosten gering zu halten, müssen Sie die Zahl der Testpiloten und den Zeiteinsatz streng begrenzen.

 

Sie sollten verbindliche Regeln aufstellen, um auf eigene Faust durchgeführte Softwaretests zu vermeiden, ohne damit Anwender zu demotivieren, die etwas Neues lernen möchten.

 

Wenn ein Anwender auf ein Werkzeug stößt, das er gern evaluieren würde, sollte er es dem CAD-Manager für Tests unter kontrollierten Bedingungen vorschlagen.

 

Wenn Sie einen kontrollierten Test aus irgendwelchen Gründen nicht unterstützen können, besteht die Möglichkeit, den Anwender zu einem unabhängigen Test unter folgenden Voraussetzungen anzuregen:

 

  • Der Anwender muss die Testvorgänge in seiner Freizeit durchführen.
  • Für die Tests darf keine Unterstützung durch die IT-Abteilung oder das CAD-Management erforderlich sein.
  • Die Tests müssen von den Unternehmensnetzwerken isoliert ablaufen.
  • Sofern das Werkzeug für den Produktionseinsatz in Betracht gezogen werden soll, müssen bei den Tests die Unternehmensstandards eingehalten werden.

 

Durch Vorgabe dieser Richtlinien können Sie Probleme mit unbefugten Testpiloten vermeiden und gleichzeitig motivierten Anwendern das Erkunden neuer Werkzeuge ermöglichen.

Schritt 8: Erstellen Sie einen Schulungsplan.

Während des Einsatzes der neuen CAD-Werkzeuge auf dem Testgelände sollten Sie umfassende Informationen zusammentragen, die Ihnen später bei der allgemeinen Implementierung helfen. Wenn Sie in der Testphase aufmerksam sind und geeignete Notizen anlegen, profitieren Sie von folgenden Erkenntnissen:

 

  • Sie erfahren, welche Konzepte besonders wichtig sind.
  • Sie erfahren, wie Sie komplizierte Konzepte am besten erläutern.
  • Sie erfahren, welche Anwenderprobleme zu erwarten sind.
  • Sie erfahren, welche Arbeitsweisen und Standards sich bewährt haben.

 

Daraus können Sie schlussfolgern, wie die Anwender für den Produktionseinsatz zu schulen sind, wie die Software zu verwalten ist und welche Standards bzw. bewährten Verfahren benötigt werden, damit die neue Software optimal ausgeführt wird.

Zusammenfassung

Mit den in diesem Whitepaper beschriebenen bewährten Verfahren für die Testbereitstellung können Sie letztlich eine stabile Software erhalten, die mehr Benutzerfreundlichkeit bietet und deren Funktionen sich bei Schulungen leichter vermitteln lassen. Das Konzept von Testpiloten und Testgelände hat seinen Ursprung in der Luftfahrtindustrie, die Verfahren funktionieren aber meines Erachtens auch beim Evaluieren aller Arten von CAD-Werkzeugen. Zudem zeigt sich, dass das Testgelände nicht einfach nur ein Ort ist, an dem Software zum Laufen gebracht wird. Es ist zusätzlich ein Benutzerfreundlichkeitslabor, in dem Sie die Software für alle zukünftigen Anwender optimieren können.